Von der Galerie zum Museum

40 Jahre Werner Berg in Bleiburg

30. März bis 1. Juni 2008

Neben dem vollständigen Bilderbestand der Stiftung Werner Berg zeigt diese Ausstellung in der Oberlichthalle und Teilen des Dachgeschosses des Museums herausragende Werke aus allen bisher veranstalteten Sonderausstellungen, wobei den Bildern die entsprechenden Medienberichte zur Seite gestellt werden. So wird die umfassende Berichterstattung zur Galerie ein eigener Teil der Ausstellung. In der Oberlichthalle ist ein soeben wiederentdecktes, 45 Minuten langes Interview mit dem Künstler zu seiner Lebens- und Schaffenssituation auf dem Rutarhof aus dem Jahr 1964 zu hören. Im Medienraum werden die über Werner Berg berichtenden Filme gezeigt. 

Die vielfältigen und vielschichtigen Aspekte des Werkes Werner Bergs, die in den vergangenen Sonderpräsentationen vorgestellt wurden, werden noch einmal deutlich sichtbar. Auch der besondere Stellenwert der Werner Berg Galerie als Ort der Dokumentation des Lebens der slowenischsprachigen ländlichen Bevölkerung Südkärntens ist ein wesentlicher Aspekt der Berichterstattung aus diesen 40 Jahren. So entführt diese Schau den Besucher zu einer spannenden Zeitreise durch die jüngere Kärntner Geschichte.

Die Werner Berg Galerie der Stadt Bleiburg wurde im Mai 1968 erstmals eröffnet. Gottfried Stöckl, ein junger Lebzelter und Konditor hatte die Idee gehabt, in einem freigewordenen, gemeindeeigenen Gebäude Bilder des ihm von den Märkten und Kirchtagen im Jauntal her bekannten Künstler zu zeigen. Die Stadtgemeinde Bleiburg adaptierte mit Unterstützung des Landes Kärnten vorerst vier Räume des altehrwürdigen Hauptplatzhauses für diesen Zweck. Vereinbart wurde ein zweijähriger Probebetrieb. Nach zwei äußerst erfolgreichen ersten Ausstellungssaisonen blieb die Galerie für zwei Jahre geschlossen, bis es 1972 zur endgültigen Wiedereröffnung kam. Das Raumangebot war nun deutlich erweitert worden und bot Platz für eine repräsentative Schau zum Lebenswerk Werner Bergs. 1973 wurde ein umfassender Katalog aufgelegt. 1974 wurden zwei zusätzliche Räume für wechselnde Ausstellungen adaptiert, in denen der Künstler jeweils jüngste, neue Arbeiten präsentierte.

 In seinem Testament vermachte Werner Berg, der am 7. September 1981 auf dem Rutarhof starb, die Werke der Galerie in Bleiburg einer zu errichtenden öffentlichen Stiftung Werner Berg. Diese Stiftung, der die Stadtgemeinde Bleiburg mit der Verpflichtung die Galerie für immer zu erhalten beitrat, wurde im Dezember 1984 seitens der Stiftungsbehörde des Landes genehmigt.

Nach dem Tode Werner Bergs zeigte die Galerie bis 1994 in zwei kleinen Räumen jährlich eine Ausstellung zu einem besonderen Thema oder Abschnitt seines Werkes. 1985 wurden zusätzlich vier Dokumentationsräume eröffnet, die einen tieferen Einblick in den Schaffensprozess des Malers und Holzschneiders ermöglichten.

1995 bis 1996 wurde das bisher unbeheizte und konservatorisch in vieler Hinsicht mangelhaft gewordene Gebäude einer umfassenden und vorbildlichen Revitalisierung unterzogen. Es erfolgte eine komplette Horizontalisolierung des Mauerwerkes, der Einbau einer Hypokaustenheizung und die großzügige Erschließung des Dachgeschoßes zu einem großen Ausstellungsraum. Hier konnte seit 1997 erstmals auch der nach 1972 entstandene Teil des Werkes umfassend präsentiert werden. Auch größere Sonderausstellungen fanden nun im Dachgeschoß genügend Raum. 2002 bis 2004 wurde zusätzlich anstelle der Holzlagen im Hof eine Oberlichthalle für wechselnde Ausstellungen errichtet und anlässlich der Großausstellung des Landes Kärnten „Eremiten – Kosmopoliten“ 2004 feierlich eröffnet. Zeitgleich wurde auch ein Videoraum im Gewölbekeller des Museums seiner Bestimmung übergeben, wo seither ständig die drei zu Lebzeiten entstandenen Filme über Werner Berg gezeigt werden. Audioguides - in vier Sprachen gratis erhältlich - mit Informationen zum Haus und zu vielen gezeigten Werken runden das museologische Angebot ab.

Es war daher nur folgerichtig, dass das Kuratorium der Stiftung Werner Berg  beschloss, die Werner Berg Galerie der Stadt Bleiburg fortan unter der, den Intentionen und der Funktion des Hause gerechter werdenden Kurzbezeichnung „Werner Berg Museum“ auftreten zu lassen.  

Rede Werner Bergs zur Eröffnung 1968 >> 

Samstag, 31. Mai 2008, 19 Uhr
PODIUMSDISKUSSION MIT PROF. DR. WIELAND SCHMIED
"Erinnerungen an Werner Berg"

Sonntag, 1. Juni 2008 ab 10 Uhr
"TAG DER OFFENEN TÜR"
Großes Schlussfest mit Musik und Kindermalwerkstatt

Vorschau Sommer / Herbst 2008:

28. Juni bis 26. Oktober 2008
K08 Emanzipation und Konfrontation - Kunst aus Kärnten 1945 bis heute 
Das Werner Berg Museum ist Mitaustragungsort der Großausstellung.   
www.k08.at

Vorschau 2009:

Europaausstellung: 
Macht des Wortes – Macht des Bildes
Stift St. Paul & Bleiburg
mehr >>

K08 - Emanzipation und Konfrontation

29. Juni bis 2. November 2008

Das 1968 gegründete Werner Berg Museum in Bleiburg widmet sich der Präsentation des malerischen und grafischen Schaffens von Werner Berg, der zu den wichtigsten Kärntner Malern des 20. Jahrhunderts zählt. Ausgehend von seinen in den 50er Jahren entwickelten reduzierten Formen in Figur, Porträt und Landschaft, beschäftigt sich die Ausstellung mit konstruktiven Aspekten der Malerei bis heute.

Termine:

Samstag, 4. Oktober 2008  Lange Nacht der Museen
Kindernachmittag - Märchenerzähler, Zauberkünstler, Kasperltheater (ab 14 Uhr)
Führung durch die Ausstellung "k08 - Emanzipation und Konfrontation" (18 Uhr)
Musik mit der Vokalgruppe Singers (Ltg. Anna Maria Kutej), Lesung - Buchpräsentation, Brass-Selection (Ltg. Zdravja Thomas), Musik:  
Janez Gregoric (Gitarre) & Arthur Ottowitz (Mundharmonika) ab 20 Uhr

Sonntag, 19. Oktober 2008   Kunst- und Genussmeile
Eröffnung (10 Uhr)
Führungen mit Künstlergespräch (10.30, 14, 16 Uhr)
Führungen am Imkehrlehrpfad, Führung im Museum Glawar in Loibach, kleiner Bauernmarkt, Wachsziehermuseum in der Konditorei Stöckl (15 Uhr)
regionale Spezialitäten in den Bleiburger Gastronomiebetrieben (ganztätig)
Kinder-Kreativnachmittag, Straßenkünstler (14 bis 16 Uhr)
   

Rede Werner Bergs zur Eröffnung 1968

Liebe Freunde, verehrte Gäste!

Ich darf mich den Worten des Bürgermeisters anschließen und in seine Begrüßung meine Dankbarkeit für Sie alle einbeziehen. Vor allem habe auch ich dem Landeshauptmann von Kärnten und seiner sehr verehrten Gattin zu danken, dass sie es sich nicht haben verdrießen lassen, hierher zu kommen um den Rang des schlichten Unternehmens zu bekunden. Zu danken habe ich nun meinerseits dem Herrn Bürgermeister Kristan von Bleiburg und mit ihm den ganzen Gemeinderat und mit dem Gemeinderat der ganzen Bürgerschaft für ihre Gesinnung und Tat. Ich hoffe, dass ihnen die Freude am Begonnenen nie verloren geht. Hier in Bleiburg den Gottfried Stöckl zu loben, das hieße beinahe Lebzelten nach Bleiburg tragen. Er ist der geistige Urheber dieses Unternehmens und wie er sich auch daraus winden mag, er wird die Vaterschaft nie verleugnen können. Ich hoffe, dass Ihnen, Freund Stöckl, Freude und Spannkraft im Durchstehen nie ausgehen.

Ich hatte und habe das große Glück, meiner Sache einige Freunde zu gewinnen, die unentwegt und unbeirrbar dazu gestanden sind. Diese meine Freunde machen mich glücklich und reich, von ihnen kam mir Kraft in schweren und schwersten Stunden. Dafür kann man nicht mit Worten und nicht durch Händeschütteln danken, es sei denn senkrecht nach oben. Die Worte wollen mir fast unziemlich erscheinen und auf jeden Fall unzulänglich, derer zu gedenken, die mit mir und für mich das Rutarhof-Leben geteilt haben. Meiner Frau, die leider nicht hier sein kann. Die in vielen Jahren die doppelte Last und die vielfache Gefährdung dieses Lebens zu tragen hatte. Und unserer Kinder, deren Fleiß und treue Kameradschaft Ihnen sagenhaft erscheinen müssten.

Noch etwas verträgt keine großen Worte, nicht viel Worte. Und zwar das Leben unter dem Volk mit dem ich es zu tun habe, aus dem ich die Fülle der Anschauung beziehe. Es ist das kleine Unterkärntner Landvolk, es ist das kleine katholische Landvolk der Kärntner Slowenen, das ich jenseits von Pathos und Tendenz darzustellen nie müde werden möchte. Eine Figur, die sich jeglichen Klischee von Dulije und Trara entzieht.

Aus der Zeit meines Studiums, dessen Ergebnisse sonst tief in mir begraben liegen, wollen sich in diesen Wochen wiederholt zwei Relikte melden. Ich bitte Sie um Verzeihung, wenn ich Sie mit ein wenig Katheterweisheit plage, in geringster Dosis und stark verdünnt. Das eine ist die Lehre vom Grenznutzen, die einmal als Erkenntniserrungenschaft, als so genannte Österreichische Schule der Volkswirtschaftslehre längst Weltgeltung errang. Ich will Ihnen das nicht fachlich auseinandersetzen sondern nur auf einen simplen Nenner bringen. Für den Anwert einer Sache ist nicht nur das Zentrum von Angebot und Nachfrage entscheidend, sondern sehr wohl und weit darüber hinaus noch das, was am Rande geschieht, das dessen man gerade noch bedarf. Mir wollte sich dieser Begriff bald ins Weite verwandeln und transzendieren. Und so schien es mir immer, als sei dieses ganze Österreich ein einziger Grenznutzenbegriff. Und darüber hinaus ist es verblüffend, was in diesem Österreich einst am Rande, zumeist fast immer am Rande geschah um später ins Zentrum des Bewusstseins zu rücken. Ich bin nicht so vermessen zu behaupten, dass das jetzt der Fall sein würde mit dieser Sache, aber ich muss das anvisieren.

Und die andere Lehre betrifft den oktavischen Aufbau der menschlichen Gesellschaft, die so genannte Ganzheitslehre, handelt von der Mitte und ihren Gliedern, von der Gliederung in Teile, der Ausgliederung der Gesellschaft, wie die Mitte alles durchpulst und beseelt und wie im einzelnen Teil der menschlichen Gesellschaft das Leben wie in der Zelle zu erneuern ist. Es ist das die Lehre von der vita propria, vom Eigenleben der Teile. Ein solcher Akt der vita propria ist hier und heute entstanden. Und wie viel oder wie wenig es sein mag, es ist ein Etwas. Und dieses Etwas dünkt mir wichtiger als Kunstsuada und Kulturhuberei.

Wir sollten nicht stolz sein, diese Vokabel mag ich nicht, aber wir sollten es mit Bewusstsein annehmen, Provinzler zu sein - ob man nun Region sagt oder Land oder wie immer das schamhaft verbrämen mag -, in der an seiner Stelle jeder das Rechte tut. An dem Ort der Welt, der welthaltig ist. Da es nun einmal nicht ohne Goethe geht: „Wehe dem Menschen, dem die Szene missfällt, in der er aufzutreten hat.“.

Als die Moderne noch modern war, da fiel das Wort von den Museen als den Friedhöfen der Kunst. Der es aussprach, Marinetti, wurde später zwar selbst ein ordengeschmückter Ehrensenator des Faschismus, aber das ist so der Lauf der Welt. Aber ganz abgesehen davon, wenn ich hier sehe, wie die Dinge schön friedlich und stimmend beieinander hängen, so kommt mir das in Wahrheit vor, als vollzöge sich das alles jenseits von mir selbst, jenseits dieses Persönchens, das Werner Berg heißt. Undenkbar fast was an Spannung, an Aufschwung, Bangens, an Leidenschaft und heißem Atem unter dem liegt, was sich jetzt dort entwickelt zeigt.

Mein Streben ging freilich immer nach Klarheit. Ich habe mir nie etwas aus diesem Misterioso, weder aus dem parfümierten noch aus dem präpotenten gemacht. Und ein Leib- und Leitspruch meines Lebens war der Satz von Paul Valery „Was gibt es geheimnisvolleres als die Klarheit?“

Aber lassen wir das Jenseits Jenseits sein. Wir haben noch mit zwei Beinen auf dieser Erde zu stehen und ich habe mich im Diesseits noch umzutun. Ich habe keinen sehnlicheren Wunsch als wieder bald arbeiten zu dürfen wie eh und je, ungebrochen und ungeschoren. Ungebrochen? – ein Fragezeichen, ungeschoren! – ein Ausrufzeichen. Und nichts gibt mehr Gewissheit darüber als die vierzigjährige Erfahrung des Lebens unter diesen Menschen und das herrliche, das ungroßartigste aller großartigen Worte, das Kärntnerischeste aller Kärntnerischen: „lei lasn“, gegen das mir das so beliebte Understatement wie eine Protznvokabel vorkommen will. Wünschen möchte ich, muss ich, dass immer ein Hauch Geist von diesen Wänden weht, der sich als würdig erweist, erhalten zu werden.

Unsere Zeit ist skeptisch geworden, mehr denn je eine, auch Beständigkeit ist ein Wort, das uns nicht ganz geheuer ist, und vor den Denkmalsenthüllungsreden der Untertanen sollte uns grausen. Dennoch ich hoffe, dass es passiert, das zuweilen der Funke von den Bildern auf den Menschen fällt und von den Menschen zurückstrahlt auf den Urheber, auf den Maler in der Einsamkeit. Denn die Einsamkeit ist kein bejammernswerter Notzustand, sie ist der notwendige, der fruchtbare Zustand, sie ist, so absurd es klingen mag, die gesellschaftliche Verpflichtung des Künstlers. Aber der Funken in seiner Rückwirkung wird mich reich und glücklich machen. Und ob ich gleich nicht zu tief in den Schmalzkübel der Gefühle greifen möchte, lassen Sie mich bitte doch mit den Schlusszeilen des Künstlerspruches von Josef Weinheber enden: 

„In unsrer reichen Armut sind
wir Kind und Kind und wieder Kind
Wir sehnen und von früh bis spät
nach jener Seele die versteht
und ist sie da und sagt sie ja
bringt uns dies Glück dem Tode nah.
Im Anfang war die Leidenschaft
Gott segne uns die Schöpferkraft.“