Explosion der Farbe – Aquarelle der Sammlung Leopold

Oskar Laschke, "Der Krempelmarkt am Brand in Mainz", 1920
Egon Schiele, "Laufende", 1950
Werner Berg, "Liebe", 1932

Über fünfzig ausgewählte Meisterwerke der Aquarellmalerei aus dem Leopold Museum Wien und der privaten Sammlung Leopold illustrieren in herausragenden Beispielen die Entwicklung des Aquarells innerhalb der österreichischen Kunst des 20. Jahrhunderts. Die Arbeiten begeistern durch die Brillanz ihrer Farben und ihr ausdrucksstarkes Kolorit. Die Ausstellung spannt den Bogen vom Expressionismus über die Kunst der 1920er und 1930er Jahre bis zur Epoche nach 1945 mit Werken von Egon Schiele, Oskar Kokoschka, Oskar Laske, Wilhelm Thöny, Herbert Boeckl, Josef Dobrowsky, Gerhart Frankl, Gustav Hessing, Kurt Moldovan und Karl Stark, um nur einige der in der Schau vertretenen Künstler zu nennen. Ihrem Schaffen galt die besondere Aufmerksamkeit des großen Sammlers Professor Dr. Rudolf Leopold. Sein einzigartiges Gespür für die Qualität von Kunstwerken lag wohl, wie er selbst oft erwähnte, darin, Bilder mit den Augen der Künstler zu sehen. Dieses unmittelbare Einfühlen in eine Welt der Farben lässt sich kaum besser erschließen als beim Betrachten von Aquarellen.
Ein besonderes Anliegen des Werner Berg Museums ist stets der Dialog seiner Sonderausstellungen mit dem künstlerischen Werk von Werner Berg. Die Auswahl der in der aktuellen Ausstellung präsentierten Aquarelle umfasst jene Periode der österreichischen Kunst, die weitgehend mit der Schaffenszeit  von Werner Berg (1904 – 1981) zusammenfällt. Dem Feuerwerk expressiver Farbigkeit zahlreicher Künstler stehen die nicht minder ausdrucksstarken Aquarelle Werner Bergs gegenüber und dokumentieren somit anschaulich den hohen Stellenwert seiner Aquarelle im gesamtösterreichischen Kontext.

Professor Dr. Rudolf Leopold hat gemeinsam mit seiner Gattin Dr. Elisabeth Leopold das Werner Berg Museum mehrfach und gerne aufgesucht. Mit seinem Tod am 29. Juni 2010 hat auch das Museum in Bleiburg einen unersetzlichen Freund verloren. Die Ausstellung 2011 ist daher seiner Erinnerung gewidmet.

 

1911

Am 16. September wird Othmar Jaindl in St. Veit a. d. Glan geboren

1918-24

Volksschule und Mittelschule in Villach

1925-28

Bundeslehranstalt für Bau und Kunstgewerbe, Fach Holzbearbeitung in Villach

1929

Gehilfe bei Bildhauer Max Domenig in Hallein

1929-32

Kunstgewerbeschule Wien (Prof. Anton Hanak)

1932-39

Akademie der bildenden Künste Wien  ( Professoren Anton Hanak und Albert Bechtold )

1940-45

Kriegsdienst in Skandinavien

Ab 1946

Freischaffender Künstler im Elternhaus  in St. Ruprecht bei Villach

1950

Baubeginn des Atelierwohnhauses in St. Andrä bei Villach

1967

gemeinsame Ausstellung mit Werner Berg in Kostanjevica na Krki

1982

stirbt Othmar Jaindl am 1. Jänner

Was Othmar Jaindl herausforderte, war einerseits der Werkstoff Holz, der nahezu sämtliche Etappen seines Œuvres kennzeichnet und zum anderen der stete Wunsch nach Vervollkommnung der Form. Jaindl ging hier mitunter bis an die äußersten Grenzen, die das orthodoxe, in gewisser Weise vorbelastete Material zulässt. Zugleich war er darum bemüht, Merkmale und Charakter des Werkstoffes Holz zu erhalten, ja zu betonen und durch das Aufspüren einer adäquaten Form erst richtig zum Leben und Erklingen zu bringen. Er führt mit dem Holz gleichsam einen Dialog, ein in dieser Intensität und Ausdauer höchst ungewöhnliches Zwiegespräch, das erst der Tod beendet.

Durch seine Lebens- und Arbeitsumstände (Jaindl besaß ein mit großem Einsatz und viel Liebe errichtetes Atelier in Landskron bei Villach), wurde die im wesentlichen künstlerisch vorgegebene Position des Außenseiters noch im Sinne einer deutlichen Absenz vom Galerien- und Ausstellungsbetrieb der Großstädte und deren intellektuellem Klima betont. Der Einklang mit der Natur und ihrem Kräftereservoir war Jaindl offensichtlich wichtiger als eine mögliche Einbindung in ein seinem Naturell widersprechendes Kräftespiel in den Metropolen. (Peter Baum)

Werner Berg

Werner Berg wurde 1904 in Elberfeld (Wuppertal) geboren. Nach dem Besuch der Schule absolvierte er eine Handelslehre und studierte Staatswissenschaften, ab 1924 in Wien, wo er 1927 mit Auszeichnung promovierte. Eine sich bietende wissenschaftliche Laufbahn schlug er aus, der lange gehegte Wunsch Maler zu werden brach durch und er inskribierte bei Karl Sterrer an der Wiener Akademie der bildenden Künste. Nach einem Jahr wechselte er 1928 an die  Münchner Akademie und wurde Meisterschüler von Carl Caspar. Damals stand auch schon sein Entschluss fest, sich später mit seiner Frau, die ebenfalls ihr Studium der Staatswissenschaften abgeschlossen hatte, auf dem Land anzusiedeln. 1930 erwarb die junge Familie den Rutarhof, eine entlegene Bergwirtschaft im gemischtsprachigen Unterkärnten.

Werner Berg war nun Bauer und Maler, er fand in der neuen Lebensform Sinn und Anschauung, oft forderten ihn jedoch die Mühen des bäuerlichen Alltags bis an die Grenzen seiner Belastbarkeit.

Nach ersten Ausstellungserfolgen in Deutschland wurde 1935 eine Ausstellung seiner Bilder im Kölner Kunstverein polizeilich als „nicht dem gesunden Volksempfinden entsprechend“ gesperrt. Er zählte zu den „entarteten Künstlern“.

1941 wurde Werner Berg als Sanitätssoldat eingezogen, 1942 kam er als Kriegsmaler an die Eismeerfront nach Skandinavien. Im Herbst 1945 kehrte er auf den Rutarhof zurück.

1951 lernte Werner Berg die Dichterin Christine Lavant kennen, deren herausragende Bedeutung er als einer der ersten erkannte.

Infolge schwerer Konflikte im eigenen Lebensbereich und fortdauernder Anfeindungen eines Teiles des offiziellen Wiener Kunstbetriebs kam es 1955 zum psychischen Zusammenbruch und einem fast einjährigen Spitalsaufenthalt. Gefestigt und bestimmter fand Werner Berg danach zu neuer Schaffenskraft. Es folgten eine Reihe größerer und bedeutender  Ausstellungen.

1968 wurde die „Werner Berg Galerie der Stadt Bleiburg“ erstmals eröffnet, deren Bestand der Künstler in seinem Testament als Stiftung der Öffentlichkeit vermachte.

Nach dem Tod seiner Frau 1970 – er hatte sie stets als „Herrin und Seele des Rutarhofes“ bezeichnet – war Werner Bergs letztes Lebensjahrzehnt von zunehmender Vereinsamung, aber auch von großer künstlerischer Schaffenskraft geprägt.

Am 7. September 1981 starb Werner Berg in seinem Atelier am Rutarhof.

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