„SIE sind hier“:
Das ist üblicherweise das Orientierungszeichen auf einer Orientierungskarte. Der ORT ist hier. DU bist da. Doch ORT und DU sind geschrieben mit Buchstaben, die Signets und damit Symbole sind. Werner Hofmeisters Eisenstelen schreiben diese Vergewisserung als Skulpturen im Werner Berg Museum auf: als Rettungsreifen, als ein auf den Kopf gestelltes Anker-Zeichen, als den kopflosen Leonardo-Menschen, als Werkstatt-Zeichen, als Twitter-Taube, als Apfel und als eingetragenes Markenzeichen. Werner Hofmeister baut archaische Sprachbilder, die in der Vermengung mit der Logokultur ganz neue Interferenzen und Symbiosen hervorrufen: Sie werden Sprachbilder, fühlbar in der Materialität. Im Inneren strahlt seine „Kiwi“, mit dem innersten Kern seines „Q“.

 „Q“ ist die Quelle.
Als der Kärntner Künstler Werner Hofmeister 1993 mit der Arbeit zum Quellekomplex beginnt, wird er über Jahre zum Einbuchstabenschreiber. Das „Q“ wird zum Zentrum seiner Kunst – daraus entspringen zahlreiche Arbeiten im Graubereich zwischen Bild und Schrift. Eine eigene „Zeichen“-Sprache oder auch Bilder-Schrift entsteht. Er hat vor Jahren in Klein St. Paul ein „Museum für Quellenkultur“ gegründet. Buchstaben, Laute, das Wechselspiel zwischen Bild und Text oder auch die Sprache selbst sind in seinen Arbeiten von Beginn an allgegenwärtig. Oft ist es nur das Wenige, das Schweigen und das Verschweigen, was er mit seiner Heimat Kärnten verbindet. Den Laut. Den Klang. Die nicht in eine abstrakte Sprache überführbare Bedeutung. So wird Werner Hofmeister zum großen Meister der Reduktion, die vielleicht in keinem Ort so reduziert möglich ist wie in Kärnten. Er setzt auch Wortspiele ein, Redewendungen, Phrasen, Textfragmente, die wie Werbeslogans anmuten. Er setzt mitunter auch Zitate ein, um auf verschüttete Zusammenhänge hinzuweisen.
„Das Göttliche (Religion), das Geschlecht (Sexualität), das Geld (Kapitalismus) und die Gewalt (Krieg) sind die Grundlagen [ … ] und es sind dies, keineswegs zufällig, auch die bestimmenden Faktoren unserer Zeit. Als Bindeglied zwischen ihnen und als Katalysator, der die symbolische Bedeutung häufig erst sichtbar macht, wirkt dabei das Quellen- und Ursprungszeichen, Hofmeisters künstlerisches Alpha und Omega, seine Zauberformel Q.“[ 1]
Die  Zeichen selbst – es sind dies vom Künstler veränderte oder verrätselte Symbole – schöpfen aus den kalligraphischen Traditionen verschiedener Kulturen und Zeiten: Er erschafft so eine Bildsprache, die an eine mystische Vergangenheit mahnt und diese mit der Gegenwart verbindet, stets im Zeichen des „Q“, der Frage nach der „Quelle“.
In den letzten Jahren hat sich dieses „Q“ erweitert. Doch der Symbolwert der Buchstaben ist geblieben – nicht im alten Sinn der Entstehung des Alphabets, aber doch als eine einzigartige Aktualisierung dieser Idee der Sumerer und Hebräer. Was deren Abstraktionsleistung vom Übergang des Bildzeichens der Ägypter, ja der Chinesen hin auf eine nunmehr wenige Zeichen umfassende Zeichensprache war, führt Hofmeister mit der Logokultur der Gegenwart auf eine weitere Stufe des Denkens über die Bausteine von Sprache: Schrift ist bei ihm nicht nur mehr abstrakt, Schrift macht Räume auf und Räume zu. Sie eröffnet Emotionen, Freiheit und engt auch ein. ORT. DORT. FORT ist die erste Arbeit Hofmeisters in dieser Reihe des Nachdenkens über das Hier, das Du, das Jetzt und die Anwesenheit. Nur eine kleine Hinzufügung und alles ist anders. Der Motorradfahrer rast davon.
Johannes Rauchenberger
[1] Klaus Amann, Werner Hofmeisters BildSchrift, in: Zeilen, Hofmeister 2010-2011, 2011, S. 86.