1904

Werner Berg wird am 11.April in Elberfeld, einem Teil des heutigen Wuppertal, als jüngstes von vier Kindern geboren.
"Bürgersohn aus dem dichtverbauten Zentrum einer der gewerbeemsigsten Städte des deutschen Westens" charakterisiert Werner Berg seine Herkunft. "Die Vorfahren des Vaters kamen aus dem Stockwestfälischen, der Großvater betrieb mit vielen Gesellen die Herstellung von Lampen, Geräten und Installationen und verpasste aus zäher Beharrung und frommer Rechtschaffenheit den Anschluss an die Industrialisierung. In der mütterlichen rheinischen Familie floss französisches Blut aus der Welle der zweiten Immigration, der Revolution. Die tätige, rüstige, allzeit ungebrochene Kraft des elterlichen Hauses und Geschäftes war die Mutter. Der Vater, ein vielseitig und inständig interessierter Humanist, konnte trotz mancher Ehrenämter und Liebhabereien eigentlich recht nie in der Mitte seiner selbst leben. Sein Bruder, dessen Bildnis stets legendär erschien, wollte Maler werden und zerbrach am Bürgersinn, dieser Integration von Gottesfurcht und Selbstgerechtigkeit."

1914

Werner Berg besucht das Realgymnasium in Elberfeld. Neben der Schule entstehen ersteZeichnungen und Aquarelle.

Der Bruder Alfred fällt im Krieg, kurz darauf stirbt auch niedergeschlagen durch den schweren Verlust der Vater.
"Weltkrieg - der erste alles verwandelnde - und Nachkriegszeit brachen vollends das Ungestüm und die Unbekümmertheit der Jugend. Der Vater starb an Kriegsfolgen 1917, einer der Brüder, der Schwester Verlobter und der wie ein Sohn gehaltene Vorgeselle fielen im gleichen Jahr, und der andere Bruder, der bei der Marneschlacht schwer verwundet wurde, galt noch Monate danach als vermisst. Die einstige Basis einer gediegenen, wenn auch nicht übermäßigen Wohlhabenheit war erschüttert." 

1922

"Nach dem Besuch der Schule war meinem steten Wunsch Maler zu werden jeder Weg versperrt. Ich selbst glaubte in mir versagen zu müssen unter dem schweren Druck der Zeit nach dem Kriege. So ging ich nach der Matura, der niedergebeugten Mutter zur Freude und Erleichterung, in die Industrie arbeiten. Ich arbeitete in einer Fabrik in Sonnborn."

1923

Werner Berg beginnt ein Studium der Handels- und Staatswissenschaften in Köln.  

1924

Die wirtschaftliche Lage der Familie Berg bessert sich mit dem Erfolg des Spielwarengeschäftes, das Bergs Mutter betreibt. Werner Berg geht zur Fortsetzung seines Studiums nach Wien zu Othmar Spann.
Im Dezember 1924 lernt er Amalie Kuster, "Mauki", seine spätere Frau kennen. Die Kusters betreiben eine sogenannte "Milchmeierei" in Hütteldorf, einem westlichen Vorort Wiens. Werner Berg ist von der bäuerlichen Vorstadt-Atmosphäre sehr eingenommen und hilft gerne in der Landwirtschaft aus.
Lange Reisen führen Werner Berg weit durch die Türkei.

1927

Werner Berg promoviert mit seiner Dissertation: "Das kinetische Problem in Gesellschaft, Staat und Wirtschaft" mit Auszeichnung zum Doktor rerum politicum. Auch seine Weggefährtin und spätere Frau Mauki beendet ihr Studium der Staatswissenschaften erfolgreich. Er beginnt, anstatt die sich bietende Universitätslaufbahn einzuschlagen, das Studium der Malerei an der Wiener Akademie bei Karl Sterrer.

"Nach sieben weiteren Semestern, die ich ununterbrochen an der Wiener Universität blieb, promovierte ich 1927 mit Auszeichnung (gleichzeitig mit meiner Frau), nachdem ich in den letzten Semestern an der Wiener Universität als Bibliothekar und Assistent angestellt und für die Dozentenlaufbahn ausersehen war. Vor den Prüfungen aber brachen alle alten Wünsche, die der Kunst galten und mir selbst längst abgetan schienen, hervor und ließen mich nun doch den Weg zur Malerei suchen. Im Herbst des gleichen Jahres nahm mich die Wiener Akademie der bildenden Künste auf, wo ich zunächst alle vorgeschriebenen Prüfungen absolvierte. Zugleich stand in mir und meiner Frau der Plan fest, in einem bäuerlichen Lebenskreis eine ursprüngliche, unkonventionelle Daseinsform zu suchen und darin die Grundlage künstlerischer Produktion zu finden."

Den Sommer verbringen Werner Berg und Mauki an der Ostsee. 

1928

Werner Berg verlässt die Wiener Akademie. An der Münchner Akademie wird er Komponierschüler von Karl Caspar und erhält ein Meisteratelier. "In Wien habe ich zeichnen gelernt, sturr und streng, in München wurde "gesäbelt", "gemoln"." Wanderungen, die "Walz" führen Werner Berg, zusammen mit Rudolf Szyskowitz, durch die Alpentäler und Berge Salzburgs. Er überlegt sich im Lungau anzusiedeln. In Salzburg wird Bergs erste Tochter Ursula geboren. 

1929

Werner Berg besucht seinen Jugendfreund Kurt Sachsse in Kärnten, der, selbst Dichter, ein landwirtschaftliches Praktikum absolviert. Berg ist von Kärnten, vor allem der Gegend um den Klopeinersee, wo er in den Ferien arbeitet, begeistert. Mit Kurt Sachsse wird der Plan gefasst, sich gemeinsam in Kärnten anzusiedeln und einen Bauernhof zu bewirtschaften. 

1930

Werner Berg heiratet Amalie "Mauki" Kuster. Sie wohnen in München, verbringen jedoch mehrere Monate in Kärnten um eine geeignete Landwirtschaft ausfindig zu machen. Am 6. Oktober 1930 kommt es zum Ankauf des Rutarhofes, einer entlegenen Bergwirtschaft im Grenzgebiet Südkärntens.
In seiner Schrift "Wahlheimat Unterkärnten" bemerkt Werner Berg später: "Der Rutarhof, wie sich unsere Hube etwas großspurig nennt, liegt auf der Südwestecke des dem Hochobir vorgelagerten Bergriegels, unter dem die Vellach in die Drau einmündet.

Wer einmal dort war und Augen hatte, empfand noch stets die Besonderheit der Situation: Jenseits der Drau, die vor der Annabrücke einen Knick beschreibt, steht über Waldstürzen die Felsstirne des Skarbin. Sie teilt den westlichen Ausblick in zwei Hälften, man möchte sagen in zwei Welten: nordwestlich die des Jauntales und des Klagenfurter Beckens, das wie auf einen Plan gebreitet liegt, der von den Nocken, auch Tauern an klaren Tagen, eingefasst ist. Südwestlich geht die Sicht weit ins Rosental, das sich von hier aus weniger bekannt, doch umso geschlossener darbietet. Gegen Sonnenaufgang spricht in den Waldbreiten der Dobrova und in den Ausläufern des Gebirges der Osten vernehmlich und anders. Über allem ragt südlich der Obir, dessen Silhouette sich hier wahrhaft klassisch-edel in den Himmel schwingt und der für alles, was sich unter ihm ereignet, so etwas wie ein Signum und ein Zeuge ist. 

Dieser Hof und dieser Himmelsstrich wurden mir, wenn das Wort nur irgend angeht zur Wahlheimat. Kein Verstand hätte mich so gut beraten können, wie ein Instinkt mich einst leitete und hierher führte. Der sagte mir schon in frühesten Jahren, als ich zur Kunst strebte, daß es darauf ankomme, die Kunst wieder an das Leben zu binden, eine Lebensform zu gründen, die in sich Sinn habe und mit Anschauung gesättigt sei. Als Kind schon war ich oft und mit Freunden in den Alpenländern, und während eines längeren Aufenthalts in Kleinasien wurde die Erinnerung an ihre grünen Matten zur starken Sehnsucht. Dass ich dann, Maler geworden mit meinem Kindheitsfreund Kurt Sachsse auf dem Rutarhof in Unterkärnten landete war Fügung oder besser: eine Kette von Fügungen.

Das Unterland, das so abseitig und unbeschrien ist, da sich der Fremdenstrom stets westlich von Klagenfurt ergießt, hatte es mir bald angetan. Ungewöhnlich und von keinem Klischee erfassbar erschienen mir auch von Anfang an die Menschen, die Kärntner Slowenen, deren Wesen ich noch nirgends echt geschildert sah. Katholische Religiosität im Verein mit aus dem Schoß der Urzeit Überkommenen, ein unentwegter Fleiß, aber auch Misstrauen gegenüber großen Tönen, aber auch gegen alles allzu Klare kennzeichnen die Bevölkerung."

1931

Am 15. März kommt es zur endgültigen Ansiedlung auf dem Rutarhof.
"Es würde einen eigenen Bericht ausmachen, wie wir uns dann auf dem Rutarhof, gegenüber den Kärntner Karawanken ansiedelten, wo alle Umstände so völlig verschieden waren vom gestellt Älplerischen zwischen Dulliäh und Holladrioh."

Gemeinsam mit seiner Frau und Kurt Sachsse bewirtschaftet er von nun an unter einfachsten, harten Bedingungen den Bauernhof. Es gibt kein Fließwasser im Haus, keinen elektrischen Strom.

"Ich wollte damals weder aus der Zeit fliehen, noch den Misthaufen als Symbol dem Geist entgegenstellen. Ich wollte ein Leben gründen, das unabhängig von den Spielregeln der bürgerlichen Gesellschaft, in sich Sinn habe und mit Anschauung gesättigt sei.

1931 begannen wir auf dem Rutarhof zu wirtschaften, hart, ernst und voll jugendlicher Unbedingtheit, jedoch ohne alle pseudoromantischen Illusionen. Glaubten wir damals, wir wären nach drei Jahren spätestens über dem Berg, so war das dennoch eine Illusion.

Anfangs haben wir den heimischen Bauern, die außerordentlich fleißig und genügsam sind und eine keineswegs simple Wirtschaftweise haben, genau auf die Finger gesehen, später konnten wir dann viele Verbesserungen durchführen und die Erträge steigern, was wiederum nicht selten auf die Bauern unserer Umgebung zurückwirkte. Dennoch: das Bäuerliche und gar das Bergbäuerliche unserer Lage ist nun einmal nicht mehr in wirtschaftlich rentable Relation zu bringen zur kommerzialisierten, industrialisierten und vor allem bürokratisierten Sozietät. Bei äußerster Anstrengung, Verzichtbereitschaft und mit der Hilfe unserer so fleißigen wie selbstlosen Kinder konnten wir jedoch etliche Not- und Krisenjahre überstehen. Auch lernt man es bald und gründlich, die anonyme Diktatur des Geldes nicht mehr als oberste Instanz anzuerkennen."Über einem alten Schafstall baut sich Werner Berg ein Atelier.

Klara, die zweite Tochter wird geboren. Werner Berg beteiligt sich mit zwei Bildern an der Ausstellung der Münchner Neuen Secession im Glaspalast. Bei dessen Brand werden die Bilder vernichtet. 

Erste Ausstellungen im Städtischen Museum in Elberfeld und im Essener Folkwang Museum.
Werner Berg bricht radikal mit der Münchner Malweise.

1932

Werner Berg besucht im Jänner Emil Nolde in Berlin. "Ich lernte Nolde damals kennen, aber nicht eigentlich in der Nachfolge Noldes, sondern durch ihn zum Bildhaften angeregt, wollte ich eine sehr strenge Bildgestaltung. Ich wollte zum Bild kommen und die Malerei, die heftige Malerei, fast negieren, und ich habe sehr bald erkannt, dass die bildhafte Darstellung durch eine große Einfachheit des Kontrastes und der Flächigkeit gewinnt. Ich ging damals zum Kreidegrund über, der eine besondere Bedeutung hat, weil die Farbe in die Fläche eingesogen wird, - viele Nuancen gehen in der Fläche zusammen und geben dadurch einen besonderen Gegensatz, aber auch eine große Leuchtkraft, besonders im Dunkeln der Farbe."

Emil Nolde und dessen Frau Ada fördern den jungen Künstler freundschaftlich und machen ihn auch mit dem Berliner Maler Werner Scholz bekannt.
Werner Berg beteiligt sich an der Akademieausstellung in München und an einer Ausstellung junger deutscher Maler im Kunsthaus Bielefeld. Durch Emil Nolde wird er mit dessen Leiter, Heinrich Becker bekannt gemacht, der Werner Berg Zeit seines Lebens treuer Freund bleiben sollte.

1933

Werner Berg nimmt an der Ausschreibung für eine große Ausstellung religiöser Gegenwartskunst anlässlich des Katholikentages in Wien mit seinem fünfteiligen Altarbild teil. Das Bild wird von der Jury zurückgewiesen. 

1934

Im Jänner Ausstellung in der Galerie von der Heyde in Berlin. Die Ausstellung findet große Beachtung und ausgezeichnete Besprechungen löst aber auch Befremden und Empörung aus. Werner Berg ist in einem Zustand äußerster Nervenanspannung. Es kommt zum Bruch mit Werner Scholz und auch mit Emil Nolde, der ihm zusammen mit seiner Gattin Ada bis dahin väterlich freundschaftlicher Förderer war. "Nicht leicht zu sagen, was diese verfluchten Tage in Berlin aus mir gemacht haben und wie schwer ich darüber hinwegkomme", schreibt Werner Berg. Jahre später berichtet er an Maria Schuler: "Mit Nolde war ich vor zwanzig Jahren sehr befreundet und habe die Entfremdung, die 33-34 infolge seiner, mehr noch seiner damaligen Frau Nazibegeisterung eintrat, nie ganz verwunden."

Im Herbst 1934 nimmt Werner Berg Kontakt zu Herbert Boeckl auf. Ein reger Briefwechsel zwischen den beiden Künstlern nimmt seinen Anfang.
Werner Berg beteiligt sich an der Staatspreisausstellung im Wiener Künstlerhaus.

Geburt des Sohnes Veit. In Deutschland kommt es zu ersten einzelnen Bildankäufen privater Sammler. Dennoch bleibt die erhoffte Entlastung durch Bildankäufe aus und die wirtschaftliche Lage der größer werdenden Familie wird aufgrund der schlechten Absatzverhältnisse für landwirtschaftliche Produkte immer schwieriger.

Werner Berg werden seitens der deutschen Behörden alle Überweisungen aus seinem Sparguthaben in Elberfeld, ebenso wie die Überweisungen monatlicher Unterstützungen durch seine Mutter, gesperrt.

"Der Sinn meines künstlerischen Strebens ist aufs innigste verknüpft mit dem meiner bäuerlichen Siedlung. Beides ist der Vernichtung anheim gestellt, wenn mir weiterhin alle Mittel zur Wirtschaftsführung und zur künstlerischen Arbeit abgeschnürt bleiben."

Herbert Boeckl versucht eine Beteiligung Werner Bergs an der Weltausstellung in Brüssel durchzusetzen, scheitert aber letztendlich mit diesem Vorhaben. In diesem Zusammenhang wird auch ein Eintritt Werner Bergs in die Wiener Secession erwogen.

Werner Berg erhält den Dürerpreis der deutschen Albrecht Dürer Stiftung in Nürnberg.
"Wir alle hier, die wir auf diesem schweren Boden hier sind, freuen uns darüber, dass Sie den Preis gemacht haben. Hier heißt es sonst, wenn man spricht, Berg ist der Freund von Böckl oder umgekehrt." schreibt Herbert Boeckl.

Bergs Einzelausstellung wird auch in Städtischen Museum in Bochum und im Köllner Kunstverein gezeigt, auf dieser letzten Station jedoch polizeilich gesperrt. Die Bochumer Kritik hatte noch geschrieben: "Werner Berg ist eine der stärksten Persönlichkeiten, die wir in der Gemäldegalerie überhaupt kennenlernten."

Der Leiter der Landesstelle der Reichskammer der bildenden Künste jedoch schreibt an den Kölner Kunstverein betreffend der Ausstellung Werner Berg: "Auf verschiedene Einsprüche hin habe ich mir die Ausstellung angesehen und mich davon überzeugt, dass die ausgestellten Bilder zum größten Teile im Sinne des §2 der Anordnung des Herrn Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste, betreffend die Veranstaltung von Kunstausstellungen und Kunstmessen vom 10. April 35, der Verantwortung für das Volk, insbesondere für das hiesige Gebiet ermangeln. Da außerdem für die Ausstellung die Genehmigung des Herrn Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste fehlt, muss ich Ihnen dringend nahe legen, diese Ausstellung sofort zu schließen. Als Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste, haben sie ganz besonders die Aufgabe und Verantwortung, nur solche Bilder auszustellen, die dem gesunden Empfinden unserer heutigen Zeit entsprechen."
Die Nationalsozialisten beginnen zunehmend mit der Verfolgung und Ausgrenzung der als "entartet" angeprangerten Künstler.
Werner Berg nimmt an einer großen Ausstellung Kärntner Künstler am Grazer Landesmuseum Joanneum teil.

Geburt der Tochter Hildegard. 

Herbert Boeckl verbringt mit Frau und Kindern den Sommer in der Nähe des Rutarhofs. Was zur sich festigenden Kameradschaft werden sollte, führt jedoch aufgrund von Differenzen zum Bruch der beiden Künstler, die sich fortan in erbitterter Feindschaft gegenüberstehen.

Werner Berg ist mit den ihm gebotenen Präsentationsmöglichkeiten im Rahmen der Herbstausstellung der Wiener Secession nicht einverstanden und hängt seine Bilder wieder ab.
Kontakt mit Otto Benesch, dem Direktor der graphischen Sammlung Albertina in Wien, welcher Holzschnitte von Werner Berg für die Albertina ankauft.

1936

Werner Berg beschäftigt sich - wahrscheinlich durch Ateliergespräche mit Herbert Boeckl im vergangenen Sommer darauf gestoßen - intensiv mit maltechnischen Problemen und reist im März nach Berlin zu Prof. Wehlte, einem der führenden Experten auf diesem Gebiet.

Anschließend reist Berg nach Hamburg und Hannover. Berg beteiligt sich an dem letzten Hervortreten moderner deutscher Kunst in Hamburg. Das dahin entsandte Bild "Magd und Jäger" bekommt er nicht mehr zurück. Im Juli erscheint ein ausführlicher, reich bebilderter Artikel über Berg in der Zeitschrift "Die Kunst".

Die Münchner Pinakothek erhält eine Auswahl von Bildern, um daraus anzukaufen. Der schon beschlossene Ankauf wird nach heftigen Auftreten des Referenten im Propagandaministeriums, Hoffmann, wieder rückgängig gemacht.
Die wirtschaftliche Lage auf dem Rutarhof wird immer schwieriger. Die erhoffte Entlastung durch Bildverkäufe nach Deutschland wird gänzlich zunichte und Zuwendungen, bzw. Geldüberweisungen aus Elberfeld werden durch schikanöse Devisenbeschränkungen unterbunden. Werner Berg wird aus der Reichskammer der bildenden Künste ausgeschlossen, was die Untersagung der Berufsausübung mit völligem Ausstellungs- und Malverbot in Deutschland bedeutet. In dieser Ausweglosigkeit sieht sich Berg widerstrebend nach wiederholtem Anraten genötigt, der Auslandsorganisation der NSDAP beizutreten, um so einerseits weitere dringend notwendige Devisenzuweisungen aus Elberfeld zu ermöglichen, andererseits durch Wiederaufnahme in die Reichskammer, die Möglichkeit in Deutschland mit Bildern aufzutreten nicht völlig zu verlieren. Dennoch kommt es infolge zu immer heftigeren Angriffen seitens der Nationalsozialisten, insbesondere des berüchtigten Bilderstürmer Hitlers, Hoffmannn.

Im privaten Bereich kommt es zum Zerwürfnis mit Kurt Sachsse, der bis dahin am Rutarhof mitgearbeitet und Berg dadurch auch entlastet hatte. Kurt Sachsse verlässt Anfang des Jahres den Rutarhof und erschießt sich am Todestag Heinrich von Kleists in Freiburg im Breisgau. Werner Berg zeichnet den Freund auf seinem Totenlager.

Tief erschüttert durch den Tod des Freundes tritt er in Kontakt zu Josef Weinheber, dem er Schriften Kurt Sachsses zukommen läßt. Franz Krebl, der "Herr Pacher", wird Wirtschafter am Rutarhof und bleibt zeitlebens treuer Helfer der Familie. 

1937

Durch die vielen Rückschläge des vergangenen Jahres und die nun völlig erloschene Möglichkeit mit seinen Bildern aufzutreten, gerät Berg in eine tiefe Schaffenskrise. Er teilt seine Sorgen dem als Leiter der Kunsthalle Bielefeld von den Nazis entlassenen Heinrich Becker in Bielefeld mit, der bei Unmöglichkeit öffentlicher Ausstellung im Vorjahr im kleinen Kreis eine große Auswahl von Bergs Bildern präsentiert hatte und einige davon Gleichgesinnten verkaufen konnte.

Werner Berg versucht erneut den Kontakt zu Nolde aufzunehmen, was aber nicht gelingt. Im November unternimmt Werner Berg eine längere Reise über Bielefeld nach Paris. Er ist begeistert von der Metropole Paris und vor allem vom Louvre. Er besucht auch eine große El Greco Ausstellung und den salon d'automne. Über die Weltausstellung schreibt er an seine Frau Mauki: "Der deutsche Pavillon ist wenig erfreulich. Mir kommt alles so vor, als ob nicht mehr das Schreiten und Vorwärtskommen die Hauptsache sei, sondern nur, dass man die Stiefel stampfen hört. Wie modern, wie frisch lebendig kommen andere Staaten daher." Werner Berg lernt den Dichter Walter Bauer kennen.

1938

Nach dem Anschluß Österreichs wird die Ausstellung "Entartete Kunst" auch in Wien gezeigt. Auch Werner Bergs Bild "Nächtliche Scheune" ist in dieser die Moderne verhöhnenden Auswahl dabei. 

1939

"Malen Sie, lieber Herr Werner Berg, es ist immer notwendiger, was Sie tun - retten Sie was Sie, was Sie retten können", schreibt Martha Becker. "Mein Mann war in der Osterwoche in Berlin. Auch Noldes hat er gesprochen; er ist sehr tätig, malt viel. Tun sie das auch, lieber Herr Werner Berg, für sich, ganz für sich und für die, die einmal gern alles sehen werden, was entstanden ist."

Walter Bauer besucht den Rutarhof Werner Berg unternimmt mit seiner Frau eine Reise in die Schweiz, nach Genf zu einer Ausstellung mit Meisterwerken des Prados, nach Bern und Zürich. Bei der Rückkehr wird er vom Kriegsausbruch überrascht.

1940

Werner Berg wird zur Ausbildung als Sanitäter zum Roten Kreuz nach St. Johann in Tirol einberufen. Es gelingt ihm nach Ende der Sanitätsausbildung wieder auf den Rutarhof zurückzukehren. Werner Bergs jüngste Tochter Anette wird geboren. Im November nimmt Werner Berg an der Kärntner Kunstausstellung teil.

1941

Werner Berg bekomt bekommt einen Einrückungsbefehl. Als Sanitäter kann er den Waffendienst vermeiden.

"Zu Beginn des Krieges betätigte ich mich bewusst, um in einer Zeit der Gewalt-Vermessenheit Menschlichkeit üben zu können, beim Roten Kreuz und kam späterhin auf eigenen Wunsch zum Sanitätsdienst."

Kurz darauf wird Werner Berg, auf persönlichen Intervention eines, von seiner Kunst beeindruckten, hohen Offiziers als Maler nach Norwegen abkommandiert. Er soll die Landschaft des "hohen Nordens" in seinen Bildern festhalten. Die Abkommandierung verzögert sich jedoch und Werner Berg wird für die Arbeit am Hof wieder freigestellt.

Josef Weinheber schreibt, bedrückt Werner Berg nicht auf einer Ausstellung Kärntner Malerei in Wien vertreten zu sehen: "Man sagte mir, Du seiest zu revolutionär. Du kannst Dich also freuen. Denn eine Künstlerbemühung, die nicht dauernd experimentiert, muss schließlich im Gewöhnlichen, um nicht zu sagen im Ordinären, stecken bleiben." Weinheber teilt Berg seine Absicht mit, ihm seinen neuestes Buch "Zur Sprache" zu widmen.

1942

Im Mai kommt Werner Berg als Sanitätssoldat und Kriegsmaler nach Finnland.

"Vielleicht wird das die Gabe dieses Landes an Sie sein, dass Sie deutlicher denn je wissen, was freies Atmen ist. Aber Sie wussten es ja schon immer; bei Ihnen, in der Landschaft des Rutarhofes war Freiheit", schreibt Walter Bauer und fügt hinzu: "Eines Tages werden wir vor Ihren Bildern stehen und sie schweigend betrachten - die Beute dieser Monate und jener künftigen Monate, die Sie einst wieder zu Hause verbringen werden. Wir werden sie ansehen und finden, dass wir mit verschiedenen Mitteln auf dem gleichen Wege gingen, die einfache, ungebrochene Wirklichkeit der Welt auszusprechen, fern ab von allem Betrieb, der Lüge und Übertreibung ist. O, wie satt ich das alles habe. ... Wir werden älter geworden sein. Wir werden manches verloren, doch auch manches gewonnen haben. ... Bis dahin wollen wir den Druck von oben in Druck von unten verwandelt haben. Druck von unten bedeutet Erhebung. ... Es ist ganz still in meinem Zimmer. Ich habe manchmal den merkwürdigen Gedanken, dies sei eine Keimzelle Europas - des Europa, das wir meinen; das nicht auf Kongressen geboren wird, sondern in den Herzen derer, für die Europa eine geistige Wirklichkeit ist. Wir gehörten Europa lange an, ehe die anderen davon wussten und es ausschrien."

Zu Weihnachten erhält Werner Berg Urlaub. Drei Monate kann er am Rutarhof bleiben.