1943

Freunde versuchen Bilder Werner Bergs in Weimar auszustellen. "Mit einem Mal hat es einen fürchterlichen Krach gegeben. Obwohl alles glänzend vorbereitet war, drohte plötzlich die Schließung der Ausstellung. Rüdiger musste sich entschließen Ihre Bilder schon vorher aus der Ausstellung herauszunehmen, weil zu viele Bedenken seitens seiner Mitarbeiter ihn zur Vorsicht rieten. Man sagte damals, dass diese Art von Malerei nicht nur diese Ausstellung sprengen würde, sondern auch einen heftigen Protest verursachen würde. Ich hoffe, dass Sie sich durch diesen Brief nicht entmutigen lassen." schreibt Erwin Bauer. Eine eigens von Berlin bestellte "Sittenkommission" bestimmt die Entfernung von Werner Bergs Zeichnungen "Kinder" und "Mutter".

Im Feber Ausstellung im Kunstverein für Kärnten "Bilder von der Eismeerfront und aus Nordkarelien". Erwin Bauer bemerkt in einem Zeitungsbericht darüber: "Manche Aquarelle und vor allem einige Sepiazeichnungen haben gerade durch die Knappheit des Ausdrucks eine Bestimmtheit, die in sich vollendet ist. Klarheit ist hier auf überzeugendste und natürlichste Weise mit großer Empfindung verbunden.... Da ist kein zu lauter Ton, keine Heldengebärde."
Die Albertina kauft durch Dr. Reichel ein Aquarell und eine Zeichnung an. Josef Weinheber besucht Berg während dessen Heimurlaubs auf dem Rutarhof und porträtiert den Freund in einer berauschten Stunde.

Bei einem Bombenangriff auf das Haus in Elberfeld kommt Werner Bergs Schwester Clara ums Leben. Das Haus und mit ihm viele der wichtigsten frühen Bilder Werner Bergs werden bei diesem Bombenangriff völlig zerstört. Bergs Mutter, welche gerade auf Besuch am Rutarhof ist, entgeht so dem Tode und verbleibt in Kärnten. 

1944

Ausstellung der Bilder Werner Bergs aus Norwegen und Finnland in der Galerie Welz in Wien. "Es sind Bilder, die, fern vom menschlichen Waffenlärm, den tiefen Frieden der ewigen Natur atmen", schreibt eine Wiener Zeitung.
Lee Springschitz bemerkt in Neuen Wiener Tagblatt: " Berg gelingst es, die eisige Kälte dieser Winter, in denen alles Licht vom gesamten Himmelsrund auszustrahlen scheint, spürbar werden zu lassen. ... Vergleicht man die hier ausgestellten Bilder mit seinen Arbeiten vor etwa zehn Jahren, so wird der Wandel von einem betont primitiven Expressionismus, der aber stets vitale Grundlagen verriet, zu der heutigen lebhaften, aber ruhigen Sachlichkeit als ein fortschreitendes Reifen an der Natur verständlich."
Werner Berg arbeitet im letzten Kriegsjahr hauptsächlich mit Ölfarben auf Papier. 

Jahre nach dem Krieg, als er diese Werke verschollen glaubte, schreibt er darüber: "Hier handelte es sich außer ein paar Aquarellen und Zeichnungen insbesondere um "Öl auf Papier" Arbeiten, die unter dramatischen Umständen oft auf dem Rückzug durch Nordnorwegen entstanden waren und an künstlerischer Kraft und in einer hochinteressanten Thematik alles andere weit hinter sich ließen. Sooft ich in diesen Jahren mit Sehnsucht an diese ganz und gar außergewöhnlichen Arbeiten dachte, handelte es sich stets um diese Blätter, die ich für spätere Zeit so gern einmal zur Grundlage neuer, größerer Arbeit machen wollte." 

1945

Im April besucht Werner Berg Edvard Munchs Schwester Inger in Ekely.
Nach Kriegsende kommt Werner Berg in ein Internierungslager in Hamar in Norwegen. Im Herbst kehrt er wieder auf den Rutarhof zurück.


"Bei meiner Heimkehr durfte ich meine Frau auf dem Rutarhof wiederfinden, die mit unerhörter Beharrlichkeit unsere fünf Kinder und den Hof über die Notzeiten hinweggebracht hatte. Wir standen vor dem Nichts" Werner Berg bekommt, da deutscher Staatsbürger, vorerst das Heimatrecht in der Gemeinde Gallizien verliehen. Im November 1945 schreibt er sein Einbürgerungsansuchen.
Werner Berg lernt den jungen Dichter Michael Guttenbrunner kennen. Guttenbrunner setzt sich zusammen mit Johannes Linder, Kulturreferent der Landesregierung, unermüdlich für Werner Bergs Belange, vor allem für seine Einbürgerung, ein. So schreiben die beiden an die Abteilung "Staatsangehörigkeit" der Landesregierung: "Unter den Malern Kärntens, die zu seiner künstlerischen Repräsentation zählen und berufen sind, im Ausland für das Wesen Kärntens Zeugenschaft abzulegen, nimmt Dr. Werner Berg eine besondere Stellung ein. Er hat, obwohl von auswärts gekommen, doch begabt mit einer feinen Witterung für die Hintergründigkeit der Landschaft, innerhalb derer er sich sowohl lebenswirklich als Bauer als auch geistig als Künstler angesiedelt hat, Bereiche aufzuspüren gewusst, wie vor ihm kein anderer Kärntner Maler. Er hat dem slowenischen Kärnten eine völlig neue und dennoch absolut wahre Deutung gegeben, hat sich in die von der Malerei kaum berührte Eigenart des Unterlandes in einer eindeutigen Weise einzufügen verstanden; er vermehrt die Kärntner Künstlerschaft durch eine starke, ehrliche Persönlichkeit, durch eine hohe Auffassung vom Ethos des Künstlers und Menschen, indem er als Bauer auch einer gegenständlichen Form der Zeit zu genügen sucht. ... Seine endgültige Einbürgerung, ... wäre für das Land ein großer Gewinn." In diesem und den folgenden Jahren ist Werner Bergs Arbeit sehr durch die enormen Schwierigkeiten, bei der Beschaffung von Malmaterial behindert. Farben und Papier sind kaum zu bekommen und wenn, meist von minderer Qualität.

1946

Kontakt zu Anton Kolig, mit dem Werner Berg ein reger Briefwechsel verbindet.
Werner Berg tritt dem Kärntner Kunstverein bei. Michael Guttenbrunner schreibt: "Wenn Sie Stille, Ruhe und Frieden haben, und sei es nur für kurze Zeit, so sind es ungebrochene Wesenheiten, die Ihnen gestatten, einen tiefen Blick in die Natur der Dinge zu tun. Was man im Lichte Ihrer Bilder sofort erkennt und was so tief ergreift, das ist der Atem, die Aura der Dinge."
Prägnant erfasst Michael Guttenbrunner Bergs innerstes Wesen: "Oft sehe ich Sie an, wenn sie mit anderen sprechen oder etwas liebevoll betrachten und präge mir Ihr Gesicht ein und denke seinen Zügen nach. Sie sind auch von großer Anmut. ... Ich spüre Ihre Ergriffenheit. Sie sind von den Erscheinungen gepackt; der Geist reißt Sie hin, Ihr Gesicht füllt sich mit Blut, Ihre Augen funkeln und Ihre Kehle zittert krampfhaft. Das gibt Ihnen etwas jugendlich Aufgeregtes."

Karl Newole, der Landesamtsdirektor, wird Freund und wichtigster Förderer Bergs. "Wäre ich mit meiner Arbeit auf die vox populi oder, ärger, die Gunst des besitzenden Bürgertums angewiesen, so ginge ich ohne Verzug vor die Hunde. An der Grenze ( und nur wer sich wirklich an den Rand begibt, weiß von dieser Grenze) aber begibt sich dann zuweilen das Außergewöhnliche", schreibt Werner Berg.

1947

Im Jänner bekommt Werner Berg die österreichische Staasbürgerschaft verliehen. Werner Berg wird Mitglied des Art Clubs und sendet Holzschnitte zu dessen erster Ausstellung in der Neuen Galerie in Wien.
"Ich finde, soweit ich die moderne Graphik in Österreich überblicke, nichts, was sich mit Ihren Holzschnitten vergleichen dürfte. Sie sind ein Menschenwerk, das mich tief ergreift, in seiner Wirkung auf mich der besten europäischen kurzen Prosa ähnlich", schreibt Michael Guttenbrunner, und weiter: "Sie sind für mich heute die große Künstler-Ausnahme. Ihre Beziehungen zu Dingen, die noch nicht beschrieben worden sind und vom Tage unbeachtet, taghelles Leben haben, im Lichte des Himmels und im Schatten der Erde, - Ihre Beziehungen zur Ab- und Schattenseite des Lebens, auf der alles eigentlich erst zu sprechen beginnt, wo jeder Stein einen Mund hat und jedes Blatt ein bewegliches Auge, sind offenbarer. Sie selbst sind ja im Leben wie in der Kunst ein Außenseiter, einer, der auf vorgeschobenen, schwächlichen Posten der Zivilisation steht, exponiert in die Vorlande des Naturreichs. Ich glaube, sie hören öfter "die Dinge" als die Menschen reden. Daher rührt Ihre wunderbare Kraft, die Ihre Bilder malt und um die ich Sie restlos beneide."
Im November Ausstellung in der Galerie Kleinmayr in Klagenfurt.

Im selben Monat hält Berg einen Radiovortrag mit dem Titel "Wahlheimat Unterkärnten" der sein grundsätzlichstes Bekenntnis zu seiner Situation auf dem Rutarhof darstellt.
"...Nach einem Jahre Hiersein hätte ich leichter und mehr aussagen können, als jetzt nach zwanzig Jahren, denn alles was sich hier vollzieht, ist nicht leicht benennbar oder durchsichtig. Eben dieses Geheimere müsste aber für den Künstler unserer Zeit, der ja dem Vordergrund der Dinge misstraut und die Erschütterung der Welt in den Eingeweiden spürt, ein großer Anreiz sein. ... Der Bauer im Dunkel der Stube oder die Bäurin in der Kirche: wer empfände da nicht eine unaussprechbare Gewalt, die zum Bilde als dem gemäßen Gleichnis drängt? Man gehe in eine der unberührten Dorfkirchen, Allerheiligen auf dem Friedhof zu Eberndorf oder an einem der bestimmten Feiertage zum Hemma- oder Liesnaberg, wo das Volk zusammenströmt und eine Fülle von Bildern stellt, in denen man mühelos hinter Anekdote und Folklore große Form und zeitlose Begebenheit entdecken kann. Immer wieder fesselt mich, Sinnbild der menschlichen Urangst überhaupt, das Bild der betenden Bäurin: steil, ernst und voll Hingegebenheit. Nicht selten reiße ich die Augen auf vor Staunen, dass die archaisch große Form und mythenhafte Versunkenheit wirklich sind, Wirklichkeit unserer Tage und nichts fern Beschworenes oder museal Konserviertes. In solchen Augenblicken offenbart und erneuert sich fern von allem Wollen der Gebildeten Volkstum.

an gebe sich auch dem Eindruck des Kircheninneren hin, dessen oft unglaublich reiche Ausschmückung und Farbigkeit ihren ganz eigenen Charakter haben. Bald sind es zwanzig Jahre, dass ich mit meiner allmählich größer gewordenen Familie auf dem Rutarhof sitze, ein jeder durchdrungen von der Einmaligkeit einer Aufgabe, die mich ein gütiges Geschick erfüllen lasse. Hier ist der innere Bezirk des Hauses, der oft den Gegenpol der malerischen Themen abgibt. Jedes Wort wäre zuviel und zu wenig über die unermüdliche Herrin des Hofes, und die Kinder alle helfen und leisten in einem Maße, das einem Außenstehenden kaum begreiflich erscheinen mag. Auf drei Terrassen liegen die Felder, einst vom Gletscher geschliffen, die Moränenhänge mit karger Grasnarbe dazwischen, deren Bearbeitung saure Mühe kostet, und der Wald ringsum schließt das kleine Reich ab, wahrhaft ein Reich für sich. ... In immer neuen Bildern versuche ich, dass sich ein Gleichnis löst und hinter allen Bildern strebe ich dem Bilde zu, das ungreifbar bleibt. Und dann die ewig-großen Augenblicke des Jahres: das durchscheinende Grün vor dem Blau und Grau des Maigewitters, - der Himmel mittagheiß zitternd über dem eben geschnittenen Getreidefeld, - die auffliegenden Morgennebel des Oktober voll Glanz und Wehmut - und, feierlichster Augenblick vielleicht: Klarheit, Weiße und Stille der Winternacht. Im Tale unten rauscht die Vellach, und in den Himmel zeichnet bis in die Träume der Obir Aufschwung, Gipfel und Verwellen. Vor den Sternen bebt im Nachthauch ein Ast und seine Sprache überhörte ich noch zu keiner Stunde: "Das Ungeheure begreift nie der Sichre"." 

1948

Werner Berg lehnt die Beteiligung an einer vom Kärntner Kunstverein veranstalteten Ausstellung ab und schreibt an dessen Leiter, Dr. Feldner: "In Wahrheit befinde ich mich in einem Leben voller Härte und Gefährdung, in einem ständigen Kampf auf Tod und Leben, dem nämlich meine Arbeit mit Kraft und Innerlichkeit weiterzuführen und nicht als Niete einst zu enden. Alles was mich hierbei stärkt und zu tieferer Besinnung führt, ist mir willkommen, und ich muss auch von mir fernhalten, was mich versehrt und verunreinigt. Die Kleinheit der Maßstäbe und Intriganz von Kliquen darf ich schon aus hygienischen Gründen nicht in mich hineinlassen. In letzter Zeit wollte ich Ihnen schon wiederholt schreiben, das ich in erbärmlichen Schwierigkeiten stecke."

Werner Berg besucht die Biennale in Venedig. Er schreibt an Karl Newole: "Die kurze Fahrt nach Venedig, der Besuch der Biennale, die diesmal einen Überblick bot wie noch nie, wahrhaft die Bilanz dieser Jahrhunderthälfte, war für mich ein Ereignis sondergleichen und wird sich in meiner Entwicklung gewiss noch auswirken. In keinem Gebiet der Kultur unseres Jahrhundert kommen die Spannungen und Kräfte auf eine so tiefe und wahrhaft irrationale Art zum Ausdruck - zum Aufbruch möchte man sagen - wie in der Malerei. Auch durfte ich - fast mit Erschütterung bekräftigt - sehen, dass mein eigenes Bemühen durchaus im Kraftfeld der Zeit und der Welt liegt. In diesem Augenblick der Rückkehr von der Biennale, der einer der Erhellung ist, erkenne ich - verzeihen Sie das scheinbare Paradoxon - meine subjektive Situation geradezu als ein Objektives und erblicke es bei aller Bescheidenheit als ein Notwendiges, das meine Arbeit zu voller Entfaltung und Entschiedenheit kommt."

1949

Tod von Werner Bergs Mutter am Rutarhof, wo sie nach dem Krieg gelebt hatte.

Werner Berg schreibt programmatisch an Jörg Lampe: "In der Disziplin der bildenden Künste - das Wort Disziplin hat hier merkwürdigen Doppelsinn - gehe es meine ich, nicht so sehr um die grandiose noch so bestechende Liberalität der "rein-malerischen" usw. Kunstausübung, als um die Wiedergewinnung der menschlichen Bildsubstanz, um die Wiedergewinnung des Bildes als einem Gleichnis der Welt aus der Anschauung. ...Auch weiß ich, mit wie viel Recht Sie die Selbstherrlichkeit der Kunst gegenüber allem Nur-und-zu-direkt-Gewollten, ihre absichtliche Unmittelbarkeit, betonen. Dennoch muss ich zuletzt mein Eingespanntsein, die "Dringlichkeit des Lebensanliegens" als ein positives in dieser Zeit empfinden und erkennen. ... Ob freilich mein persönliches Bemühen zuletzt zulänglich ist, das muss sich erst erweisen. Bewusstsein ist eines und Naivität ein anderes, jenes lässt sich nicht ausschalten, diese nicht zitieren; beides aber spüre ich stark, da ich im Saft stehe und voll Hoffnung bin, die Frist Lebens nicht zu vertun."
Im Jänner Ausstellung in der Galerie Welz (Würthle) in Wien.

Kurt Moldovan, der Werner Berg besucht hatte, und ihm sehr verbunden ist, schreibt zur Wiener Ausstellung: "Der Wiederhall war auch nicht so, wie ich erwartet habe, bei Kritik wie bei Fachleuten, die doch alle von der experimentellen Großstadt-Malerei kommen und in dieser Bildsynthese auf engsten aber eigenen totalen Raum nur Vereinfachung sahen. ... Da dem Publikum kein formalistisches oder inhaltliches Weiterspielen (das moderne romantische Bedürfnis) offen blieb, mit der es dieser Bilderatmosphäre von Einfalt und zugleich Bedrohung entgehen konnte, blieb für es nur die existentialistische bäuerliche Welt übrig, gegen die es sich wehrte; - gerade aber das beeindruckte mich am Tiefsten."

Im April schreibt Viktor Matejka, Kulturstadtrat in Wien, der durch Ankäufe für die Gemeinde Wien Werner Berg finanziell sehr unterstützt: "Ich habe Oskar Kokoschka, der seit einigen Tagen den Bürgermeister Körner porträtiert, auch einige Ihrer Bilder gezeigt, so im besonderen die zwei Schweinsköpfe und die zwei Hühner, aber auch einen Holzschnitt. er konnte sich nicht genug satt sehen. Er ist im übrigen spontan auf die Bilder zugegangen, ohne eine Ahnung zu haben, von wem sie sind, auch ohne das ich ihm Näheres über den Autor gesagt habe, hat er geradezu schwärmerisch über die Bilder gesprochen und sich nach dem Maler erkundigt."

Die junge Malerin Maria Lassnig besucht wiederholt den Rutarhof und schreibt: "Kann man sich doch keine vollkommenere Übereinstimmung denken, und sich selbst zur Aneiferung wünschen, als die man bei Ihnen am Rutarhof dem Auge, dem Gehör und Herzen vorgesetzt bekommt. ... Bei Ihnen entsteht hohe Kunst aus seltsamen Begegnungen und tiefen Ausdeutungen täglichen Tuns - während ringsum alles den Kopf verlor oder ihn noch nicht gefunden hat - entstand hier ein seltenes Beispiel der Kunst aus innere Notwendigkeit. Diese fühlen mehrere, wer aber hat auch den Stern so deutlich vor sich und hat genügend Wegzehrung und Mut im Rucksack?" Lassnigs Gefährte Arnulf Rainer fügt hinzu: " Lassen Sie mich in Ihnen ein Vorbild sehen, für einen Künstler, bei dem Leben und Werk und Persönlichkeit ein Einziges darstellen."
Die Vereinigung bildender Künstler Wiener Secession teilt Berg mit: "Es würde uns sehr freuen, wenn Sie uns die Ehre erweisen, in unsere Vereinigung einzutreten. Da unsere Aufnahmejury einstimmig Ihre eventuelle Mitgliedschaft nicht nur bejahte, sondern auch herzlich begrüßte, erbitten wir uns die Ehre, Sie zu uns zählen zu dürfen, und um Ihre Verständigung, ob Sie unseren Wunsch erfüllen." 

Werner Berg bleibt jedoch der Secession fern.

Im Herbst gelingt es Werner Berg zur eindrucksvollen Schau "Der blaue Reiter" nach München zu fahren. Er lernt bei dieser Gelegenheit den Verleger Reinhard Piper kennen. Pipers damalige Sekretärin Maria Schuler wird eine der treuesten Freunde Werner Bergs. 

1950

Heimo Kuchling schreibt Werner Berg aus Wien, das Verhältnis zu Boeckl betreffend: "Vorige Woche hatte ich mit Prof. Boeckl eine Unterredung, in der er mir u.a. seine Stellung zu Ihnen rückhaltlos mitteilte. Es hätte wenig Sinn Einzelheiten bekannt zugeben. Doch muss ich Ihnen mitteilen, dass er Ihnen wesentlich feindlich gesinnt ist und Sie von Ihm nichts erwarten dürfen. ... Boeckl ist und wird böse sein, wenn Sie sich von Ihm fernhalten, aber er wird seine Stellung gegen Sie öffentlich auch dann nicht aufgeben, wenn er Ihnen gegenüber eine freundliche Maske aufsetzt. Wenn Sie in Österreich einen wirklichen Feind haben, so ist es Boeckl. ... Das Geflecht der Intrigen reicht überall hin und ist kaum zu lösen. So spielten sich vor mir Wotruba gegen Boeckl aus und umgekehrt. ... Ein Eiertanz ist ein Leichtes gegen das Sichzurechtfinden in diesem Spinnennetz."

Werner Berg ist mit Holzschnitten auf der Biennale in Venedig vertreten, die Holzschnittblätter werden jedoch entstellend beschnitten.
Werner Berg nimmt an der Tagung zeitgenössischer Autoren und Komponisten in St. Veit a.d. Glan teil. Dort lernt er die Dichterin Christine Lavant persönlich kennen. Eine tiefe gegenseitige Zuneigung erfasst die beiden Künstler.

1951

Ausstellung Werner Bergs im Künstlerhaus Klagenfurt. "Unendlich gern würde ich mit Stetigkeit bei meiner Arbeit bleiben können und überhaupt nicht nach außen schaun. Mit den Intrigen ist's eine arge Sache, und nichts wird unter lauter Machern leichter verdächtigt als das innig-starke Anliegen des Herzens." schreibt Werner Berg an Maria Schuler.

Werner Berg lernt Adele Kaindl, Ministerialrätin im Bundesministerium für Unterricht und Kunst kennen, die seiner Arbeit sehr zugetan ist, und diese in den folgenden Jahren durch wiederholte Ankäufe für das Ministerium fördert.
Christine Lavant ist häufig auf dem Rutarhof zu Gast. Die Bildnisse Christine Lavant entstehen.

Die älteste Tochter Ursula heiratet nach Werner Bergs anfänglichen Widerstand Heimo Kuchling. Das Loslösen vom Hofe geschieht hier und auch später bei Bergs anderen Kindern unter großen Spannungen.

Zu Weihnachten schreibt Werner Berg an Maria Schuler: "Ich bedenke vieles und prüfe die eigene Situation dann allemal streng bis an die Grenze meines Bewusstseins. Machen, Konvention, Betrieb und soviel nachgerade zum Landläufigen umgestülptes Hintergründige wollen sich mir nicht recht mit der schicksalshaften, inneren Figürlichkeit eines Künstlers, die sich erst in einem ganzen Leben erweisen kann, in Einklang bringen lassen. Das Andersgeartete meiner Aufgabe und Lage erscheint mir nach oft schmerzlicher Selbstkritik zuletzt dennoch bedeutsam und notwendig, und das nicht nur als ein Fall privater Rückständigkeit. Könnte ich nur endlich in den Mannesjahren, in denen man doch den Boden unter den Füßen schon etwas fester getreten haben sollte, mit ungehemmter Kraft ansetzen und arbeiten, arbeiten! Aufgeben tu ich aber nicht, und das härteste Leben bleibt eine große Sache, die man nicht für ein Sechserl veräußern sollte. so habe ich Hoffnung und eine Spur echter Gelassenheit, ob ich auch vor Auswegslosigkeit oft tobe oder, schlimmer, müde werden will."

1952

"Nun haben wir längst Schnee, Schnee wie seit Jahren nicht. Eine Woche waren wir ohne jede Postverbindung; wollten sie einen unausgepflügten Steig gehen, so blieben Sie gleich bis zum Bauchnabel stecken. Aber herrlich ist das, für uns der schönstdenkbare Lebenszustand, besonders dann, wenn ich die Pinsel halten und das Werk wieder unter den Händen darf wachsen fühlen.

Im gleichen Augenblick pfeif ich auf alle Doktrinen und zeitzugespitzten Reflexionen, sondern atme voller und tiefer, weil sich die Segel wieder mit Wind füllen und das Boot gleitet. ... Dann preist man das Leben und möchte flehen, dass es nicht einstürzt. Ich muss nur immer weniger auf das Getriebe und Geschiebe draußen schaun, um den Innenraum vor Versehrung und Verstörung zu bewahren. Aber wenn mir die Hände taugen, will ich mich nicht über die unfähigen Ellbogen beklagen", schreibt Werner Berg im Feber an Maria Schuler. Und im April: "Vor dem Bestellungsrummel habe ich zehn neue Holzschnitte fabriziert, von denen, glaube ich, keiner schwach ist. ... Wenn ich mir auch keinen Generalnenner für Zeit und Auftrieb weiß, wie er einstmals Generationen emporgehoben hat, so lebe ich doch in und von dem Bewusstsein, dass mein Tun nicht nur eines für Hausgebrauch und Gefühlsamkeit ist."

Werner Berg schreibt an den ehemaligen Direktor des Kärntner Kunstvereins, Dr. Feldner: "Sagen muss ich noch, was Sie wohl oft schwer einsehen mochten, dass mir keinerlei Vereinswesen liegt und dass, so unerlässlich manches Organisatorische ist, die Dinge des notwendig einsamen künstlerischen Bemühens mit dem Gemein-Machen schwer zusammengehen wollen."