1962

Werner Berg schreibt an Heinrich Becker nachdem er einen geplanten Besuch in Bielefeld wieder absagte: "Ich kann einfach jetzt - in bestem Zuge und angespannter Sammlung - die Pinsel nicht aus der Hand legen, und mit dem Winterausgang beginnen bald Unruhe und schwierige Arbeiten besonderer Art, da der Kuhstall und Tennboden umgebaut werden. Nun ist unser Veit ja enorm tüchtig und fleißig, aber trotzdem darf ich gerade dann nicht meine Frau mit ihren Herzensanfälligkeiten allein lassen. ... Wir hatten (und haben) einen schönen Winter, das ist für uns immer ein Kraftquell fürs ganze Jahr. Meiner Frau geht es leidlich, wenn auch nie mehr richtig gut. Veit und Annette sind noch bei uns, die vier Enkelkinder gedeihen prächtig. Gearbeitet = gepinselt habe ich nicht wenig. Nach den Ausstellungen des vorigen Jahres verlangt mich nun sehr nach Hiersein und Konzentration, der Glaube an den Sinn des Aufgegebenen erfüllt und durchdringt mich mehr denn je. Zur Zeit läuft übrigens eine Ausstellung von 75 Holzschnitten im vorderen Orient, die sowohl in Istanbul und Ankara außerordentlich beachtet wurde und später nach Teheran und Kairo geht. Ich scher mich aber nicht viel darum und kann nicht an weite Reisen, zu denen ich immer wieder eingeladen werde denken."

Nach Istanbul und Ankara im Vorjahr Holzschnittausstellungen in Teheran und Kairo. "Um die Holzschnittausstellungen im vorderen Orient kümmere ich mich nicht viel. ... In Istanbul und Ankara war der Erfolg groß. Sonst habe ich alles abgesagt, das macht mich frei und glücklich", schreibt Werner Berg an Maria Schuler. "Wir sind gereist, meine Frau war zu meiner großen Freude und mit erstaunenswerter Spannkraft mit dabei. So waren wir also eineinhalb Tage in Venedig, dreiviertel in Verona und einen Nachmittag in Padua. ... Vor den Bronzetüren von San Zeno gestanden zu sein, gehört zu den stärksten Kunsteindrücken meines Lebens. Dazu ist nun einmal das Sinnlich-Gegenwärtige notwendig, mehr als das bildungsmäßig Mitteilbare. ... Nun sind wir also wieder zu Hause, für mich allemal die größte, neueste Entdeckung: das Hiersein, das Immer-hier-sein, eine Stätte zu haben, eine Aufgabe und im Begrenzten die Welt." 

1963

"Selbst stecke ich nun wieder tief in der Malerei, die trotz der erheblichen Molesten und Zwischenfälle dieses absonderlichen Winters - wir hatten eben wieder unermessliche Schneefälle - nur gefördert wird. Die Malerei verzehrt mich, ich tauge da zu nichts anderem", bemerkt Werner Berg im Feber.

Werner Berg ist sehr verärgert mit seinen Bildern bei der Neugestaltung des Museums des 20. Jahrhunderts in Wien nicht berücksichtigt worden zu sein. "Ob das, was aus diesem Leben an künstlerischem Werk entstanden ist, auch nur im entferntesten verdient, von einem Dir. Hofmann und seinen Mauer-Lemuren ins nichtige Beiseite geschoben zu werden, darüber ein andermal an anderer Stelle", schreibt er an Adele Kaindl.

Ausstellung in der Galerie Kontakt in Linz.

1964

Das von Heimo Kuchling herausgegebene Buch "Werner Berg - Holzschnitte" erscheint. Werner Berg schreibt: "In früheren Jahren habe ich auch aquarelliert, sehr gern. Mit den Jahren habe ich mich aufs Ölbild, den Holzschnitt und das Skizzieren (sehr wichtig) beschränkt. Ich habe früher auch radiert und mich in fast allen Techniken umgetan. Dass ich mich schließlich auf den reinen Schwarz-Weiß-Holzschnitt als einer Technik, die ich von A bis Z selbst in der Hand habe (ich drucke ausschließlich mit dem Falzbein auf Japanpapier), beschränkt habe, erscheint mir keineswegs als Minderung. Außerdem entspricht sie meiner Vorstellungswelt und Lebensart, ihr pures Schwarz-Weiß bietet dennoch unerschöpfliche Möglichkeiten und ist geradezu ein Gegenpol zu den vielfältigen und extensiven Finessen heutiger Druckgraphik." Der ORF produziert den Film "Zu Gast bei Werner Berg". Werner Bergs Frau erleidet im November eine Herzinfarkt und muss für längere Zeit im Krankenhaus bleiben.

"... Dann aber schlug der Blitz ein. Vor drei Wochen erlitt meine Frau einen schlimmen Herzanfall, ich glaubte kaum, dass sie die Fahrt ins Krankenhaus, auf der ich sie im Rettungswagen begleitete, lebend überstehn würde. Die akute Gefahr wurde behoben, und nun macht sie einen leidlich guten Eindruck wieder, doch hat der Primarius für weiterhin eine denkbar schlechte Prognose gestellt. Wenn sie wieder heimkommt, müsste sie sich völlig umstellen und wird es nie können. Ich lebe derzeit mit angehaltenem Atem. ... Selbst wäre ich in der denkbar besten Verfassung und hatte mich ganz darauf gerichtet, gereinigt und jeglichem Betrieb entsagend neu zu beginnen. Nun ist das Gehäuse im Innersten erschüttert", schreibt Werner Berg an Maria Schuler. Der Rutarhof wird an Werner Bergs Sohn Veit übergeben.

1965

"Meine Frau, einst die Mitte und die Seele von allem hier, ist nun ganz ausgeschaltet und fügt sich bewundernswert ins Unvermeidliche, einst Undenkbare. Veit, der nun der Rutarbauer ist, und Annette, die zu allem noch die Hausfrau vertreten muss, werkeln fleißig und unverdrossen. Dass es trotz allem auch mit der Malerei noch weitergeht, ist mir wie ein Wunder", schreibt Berg an Dr. Leopold Zahn.

Den Plan Gotbert Moros ein Buch über Werner Berg herauszugeben, erteilt Berg eine Absage: "Was immer ich noch an Kraft aufbringen kann, muss an die Weiterführung meiner Arbeit gesetzt werden."

Ende des Jahres unternimmt Berg eine Kunstreise nach Holland und London.
Aus Überlingen schreibt er Fritz Ogris: "Nächste Woche fahre ich nach erfolgreich beendeter Fastenkur für eine Zeit fort und zwar auf eine Kunstreise, die nach einem ziemlich bedrückenden Jahr ausschließlich dem Sehen und Aufnehmen gewidmet sein soll. Es tut Not, von Zeit zu Zeit auszuziehen, um das Maß der Größe zu erfahren. Sehen, sehen, nichts als Bilder-Sehen liegt mir jetzt im Sinn." 

1966

"Auf dem Hof wird es wohl auch etliche Veränderungen geben, denn Veit und Annetti denken beide ans Heiraten. Für den Künstler aber darf es kein Ausgedinge geben, es sei denn das letzte", schreibt Werner Berg an Maria Schuler. "Etliche Male war ich zum Skizzieren fort, wie mir scheinen will, mit besonderen Erfolg. In der letzten Zeit haben es mir die Eisschützen angetan. Jenseits des Themas, der Anekdote, ergibt sich daraus eine beispielhafte Möglichkeit, Figuren und Figurenreihen auf der planen Fläche zu entwickeln, bei großen farbigen Spannungen vom trüben bis zum klaren Wintertag.

" Werner Berg ist in der Internationalen Ausstellung "Friede, Humanität und Freundschaft unter den Nationen" in Slovenj-Gradec prominent vertreten und wird anlässlich dieser Gelegenheit zum Ehrenbürger von Slovenj-Gradec ernannt. Werner Berg lehnt die Berufung als Lehrer an die Internationale Sommerakademie in Salzburg ab: "Wenn ich dennoch den Lehrauftrag nicht übernehmen kann, so wollen Sie in meiner Absage bitte keine Spur von Hochmut oder Verkennen erblicken, sondern überzeugt sein, dass meine Haltung tief in meiner Lebenssituation begründet ist. Seit 36 Jahren lebe und arbeite ich in der Einsamkeit des Rutarhofes, außerhalb dessen ich als Künstler den Atem verlöre wie ein Fisch auf dem Trockenen." 

1968

Auf Anregung des Lebzelters Gottfried Stöckls stellt die Stadt Bleiburg ein freigewordenes Haus am Hauptplatz für die Errichtung einer städtischen "Werner-Berg-Galerie" zur Verfügung. Werner Berg trifft dafür eine repräsentative Auswahl aus seinem Lebenswerk. Vorerst wird ein zweijähriger Probebetrieb vereinbart.

An Fritz Ogris schreibt Werner Berg im März: "Inzwischen ist in Bleiburg an der Errichtung der W.B.-Galerie zügig gearbeitet worden, es wird dort etwas recht besonderes entstehen. Nur bringt es auch viel Unruhe und Zerreisendes mit sich, und das Wagnis ist groß. Leider ruht jetzt meine Arbeit, doch ist immerhin einiges Neues entstanden, das mich hoffen lässt, doch noch einmal etwas Anständiges zuwegebringen zu dürfen. Es klingt so pathetisch und ist doch so: mit der künstlerischen Arbeit ist es ein Kampf um Leben und Tod, tagtäglich."
Die Werner Berg Galerie in Bleiburg wird eröffnet.

Im September zieht sich Berg einen Kreuzbandriss zu und muss vier Wochen ins Krankenhaus.

"Vorm Heimkommen fürchte ich mich geradezu, - eben war ich dabei wieder zu gesammelter Arbeit zu kommen. Und alles ist so anders im Rutarhof Leben", schreibt Werner Berg an Maria Schuler.

1969

Werner Berg schreibt Maria Schuler: "In der Tat habe ich mich wie ein Damischer ans Malen gehalten, und das Ergebnis, an die 20 Bilder, wenn auch meist kleineren und mittleren Formates, will mir gar nicht übel erscheinen. Nur mit den Pinseln in der Hand erliege ich nicht der Verkümmerung, und jetzt, da notwendig eine vorösterliche Pause mit vielen Erledigungen eingetreten ist, komme ich mir fast schon wieder wie ein Fisch auf dem Trockenen vor. ... Die Bleiburger Galerie wird also im Mai wieder eröffnet, fürs zweite vereinbarte Probejahr mit einer ganz neuen Hängung, die ich ursprünglich nicht im Sinn hatte. Ich kann nun, wenn ich alles arrangiert habe, nicht mehr soviel von mir selbst investieren wie im Vorjahre, habe auch nicht mehr die Freude und den Elan dazu und vermisse doch schmerzlich, nachdem alles so über jedes Erwarten gut geklappt hat, die geistige Gegenkraft, die das Ganze hält.

" Die Werner Berg Galerie in Bleiburg eröffnet mit einer vollständig neuen Hängung.

Werner Berg wird Ehrenbürger von Bleiburg. "Sonderbarerweise: soviel mich bedrückt, belastet, beengt und verklemmt, in meiner Arbeit sehe ich noch immer (wieder) den Weg nach vorne offen, und einzig daran muss ich mich halten. ... Es ist auch der Grund, dass ich die Bleiburger Galerie, so schön und erfolgreich das Unternehmen war, nach Ablauf dieser zwei Probejahre aufgeben werde", bemerkt Werner Berg. Erich Kuby redet Werner Berg ins Gewissen, die Galerie in Bleiburg keinesfalls aufzugeben, überzeugt von deren objektiver Notwendigkeit: "Natürlich will ich mit diesem Brief nicht sagen, es müsse nun unbedingt diese Bleiburger Sache sein. Ich meine nur: irgendwo müsste dieses Kunstkonzentrat in Ihrer Landschaft öffentlich existieren so ausgewogen und so aufregend, wie Sie es zusammengestellt haben. Weder das Atelier auf dem Rutarhof noch Ihre Bilder in allgemeinen Galerien sind hierfür ein Ersatz. Und auch nicht ein Oeuvre-Katalog W.B., oder was es nun sei an Kunstbuch. Die Menschen müssen die Bilder sehen und sich in dem Raum bewegen, dem sie abgewonnen wurden durch Sie.

Als ich Ihnen einmal den Floh ins Ohr setzen wollte, sich meine Insel und die Leute dort anzusehen - wobei ich nicht dachte, dass Sie dies nur als Tourist tun sollten - haben Sie mit einer gewissen verdeckten Leidenschaft negativ reagiert, mit der Sie verrieten, wie der objektive Kontext Ihrer Imagination beschaffen ist, ich würde sagen: so gusseisern wie der Code Civil. Nun wohl, eine solche Entscheidung für die schöpferische Begrenzung, die Entscheidung für die Repetition als Stimulans, der Verzicht auf horizontale Mobilität zugunsten der vertikalen, die Entscheidung für den Gebetsmühleneffekt - das schafft dann aber auch einen Zusammenhang zwischen Außen- und Innenwelt, dem Sie die soziale Dokumentation nicht versagen dürfen."

Werner Berg antwortet: "Die Galerie ist seit dem 5. November geschlossen und aufgegeben. ... So aber war auf die Dauer die Belastung, die Irritierung für mich unerträglich. Jenseits von Ressentiment und Empfindlichkeit, die jedenfalls in mir gründlich überwunden sind, habe ich in Anbetracht der unvorstellbaren Beschwertheit meiner Lebensumstände ökonomisch zu denken, wenn ich noch zu dem kommen will, wozu ich einzig verpflichtet bin: zur Arbeit. Ich verkenne nicht das Außerordentliche der Meinung und Gesinnung, mit dem Sie mich mahnend an Aufgabe und Rückschuld der kleinen Sozietät gegenüber, in die ich eingebunden bin und bleibe, erinnern. "Das Soziale", eine Kategorie, die außerhalb des Künstlerischen liegt, praktiziere ich seit eh und je im Leben wie kaum ein zweiter in solcher Situation. Im übrigen aber zitiere ich ausnahms- und keineswegs eingeschworenerweise aus den Minima Moralia: "Für den Intellektuellen ist unverbrüchliche Einsamkeit die einzige Gestalt, in der er Solidarität etwa noch zu beweisen vermag. Neben allen Erwägungen und Einwänden, die drum nicht unstichhaltig sind, gibt es etwas, das sich kaum in Worten begreiflich machen lässt: die Existenz einer daueretablierten Exhibition neben der notwendigen Abseitigkeit des Rutarhofes würde mit der Zeit einen nicht nur störenden, sondern zerstörenden Inneneingriff bedeuten. "Ich bin am Anfang, wo ich immer war.""

1970

Jörg Lampe schreibt nach einem Besuch am Rutarhof: "Über allem, über allen Motiven aus dem einen Thema des zugrundeliegenden Existenzbereiches liegt der Schatten der Vergänglichkeit, der Vergeblichkeit, vielleicht auch der Unzulänglichkeit alles Kreaturseins, aber mit der Würde und der Haltung dessen, was man als fraglose Schicksalsbereitschaft bezeichnen kann, ausgestattet und zur Gestalt gereift. Man spürt das Schwere und das Leid, aber keine Klage, sondern eben die Bereitschaft zum so Sein, wie es ist. Daraus aber erwächst ein eigenartiger Frieden, ein Frieden voller Schwere und vielleicht sogar Traurigkeit, aber in einer Ergebenheit, die nicht zuletzt die Würde, ja das Element seiner Schönheit ist."

Am 9. April stirbt Mauki Berg. "Die Herrin und Seele des Rutarhofs, die Kraft und Gegenkraft der künstlerischen Arbeit", so hatte Werner Berg seine Frau bezeichnet. Nach ihrem Tod fühlt er sich nicht mehr in der Lage zu malen.

Er fährt im Mai erneut nach Überlingen. "Ich musste einfach jetzt weg vom Hof und habe hier eine heilsame Zuflucht fürs erste, ohne daran denken zu können, was werden soll. Oft möchte ich die Kunst verfluchen, die eine unheimliche Lebenskraft und -behauptung abfordert, die ich soviel besser in lauter Güte für die arme Leidende verwandelt hätte", schreibt er an Fritz Ogris, und weiter: "Ich fürchte mich fast vor der Rückkehr in das, was einst unser Rutarhof war.

Ende nächster Woche ist meine Zeit hier um, dann fahre ich zumindest für eine Weile noch nach Kärnten und will ohne Illusion und Erwartungen schauen, ob ich dort noch die geringste Lebensbasis habe. Heimat habe ich keine mehr."

Heimgekehrt auf den Rutarhof schreibt er: "Mein erster Weg, noch bevor ich zum Hof ging, war zum Grab, dem nie, nie zu begreifenden. Der Empfang hier war dann doch weit besser, als ich befürchtet hatte, die Enkelkinder haben mich nicht lange zu Atem und Nachdenken kommen lassen, und besonders Veit hat mich jenseits aller Wortemacherei davon überzeugt, dass er an meine Loslösung nicht denkt. Noch weiß ich nicht, was wird. Nur sieht es nun doch so aus, dass ich hier bleibe. Zaghaft und langsam ringt es sich in mir durch, woran ich eben noch überhaupt nicht denken konnte, dass ich im Sinne meiner Frau, der Kinder und Ihrer Freundschaft meine Arbeit nicht aufgeben darf. Es wird noch eine Zeit dauern, und ich hüte mich vor jedem Konzept."

"Ich glaube nicht, dass ich noch je in das zurückfinden werde, was sich so "Leben" nennt. Den ganzen Juni habe ich pausenlos beim Heuen und auf dem Acker mitgearbeitet, und das war gut. Wie ich nun aber wieder in meiner Behausung und Werkstatt hier oben bin, will mir das Meinige so sinn- und wesenlos erscheinen. Veit bemüht sich allerdings viel mehr, als ich erwartet hatte, darum, dass ich nicht aufgebe und mich loslöse", schreibt Werner Berg an Maria Schuler.

Jörg Lampe schreibt: "Es wird nicht viele Menschen geben, die diese Welt bis in ihr tiefstes Sein hinein so sehen und erleben, so mit ihr in der Wurzel verwachsen sind, wie Du." Im September schreibt Werner Berg an Fritz Ogris: "Mit nicht wenig Mühe und Eifer bin ich seit Jahren einmal wieder beim Holzschnitt-Drucken und versuche, solcherart die Leere und das Dunkel (vergeblich) zu überbrücken. ... Das Leben ist schwer, das Überleben furchtbar." Und im Oktober: "Zum ersten Mal seit langem will es mir ein wenig heller aufdämmern, dass ich vielleicht doch hier bleiben könnte. Ob sich das noch je festigt? Ich war zumeist unaussprechlich rat- und hoffnungslos. Tiefe und Ausmaß des Verlustes kann niemand ermessen, und ich bin gar so wenig angesichts der höchsten Macht." 

1971

Immer wieder plagen Werner Berg Zweifel, ob er überhaupt am Rutarhof weiterarbeiten könne. So schreibt er im Jänner an Fritz Ogris: "Selbst war ich freilich die ganze Zeit in der Rolle eines Vertrieben-Getriebenen, der keinen Boden mehr unter den Füßen hat. Weniger denn je weiß ich, wie das hier für mich weitergehen soll."

Für die neuerbaute Moderne Galerie in Slovenj-Gradec stellt er die bisher umfangreichste Retrospektive seiner Arbeiten zusammen.
Angeregt durch seine Tochter Ursula beginnt Werner Berg im Sommer wieder zu malen.

"Der volle Klang wird nun ewig fehlen, - wenn's nur nicht ganz leer ausginge.
Ich hatte eine unsagbar dunkle und bittere Zeit, aber glauben Sie nur nicht, dass es einen Sinn hätte, wenn wir das Letzte, dem wir unerbittlich entgegengehen, vorwegnehmen", schreibt er im November an Fritz Ogris.

1972

Die Werner Berg Galerie wird nach zwei Jahren der Schließung, erweitert und mit der endgültigen Hängung wiedereröffnet. Das Haus selbst ist für diesen Zweck großzügig umgestaltet worden.

Erich Kuby schreibt bestürzt über einen Brief Werner Bergs aus Bad Gastein: "In der oberbayerischen Bauerngegend, in der ich aufgewachsen bin, hatte jeder Hof sein "Austragshäusel", und so gehört zu meinen frühen und nachdrücklichen Kindheitserinnerungen die Grausamkeit, mit der die jungen Bauersleute die alten behandelten, wenn diese übergeben hatten. Nur dreht es sich auf dem Rutarhof natürlich nicht um eine sozusagen ökonomische Grausamkeit, der Konflikt ist viel subtiler, aber deshalb gewiss nicht leichter. In der Grundstruktur dreht es sich aber hier wie dort um Herrschaftsprobleme. Die Gleichung Rutarhof ist durch viele schwere, auch ökonomisch schwere Jahre nur durch Ihre Frau aufgegangen. Ich glaube nicht, dass diese Feststellung Ihnen unrecht tut. Sozusagen von vorne betrachtet, das Produktive in jederlei Gestalt ist Ihr Werk. Aber es hätte nicht funktioniert ohne Ihre Frau. Und jetzt funktioniert es eben nicht mehr, und ich glaube, das müssen Sie erkennen, ohne jemanden zu beschuldigen.

Ich glaube nicht, dass Sie die Dinge lassen dürfen wie sie sind. Der Hof ist eine Realität, da wo er steht, damit die Existenz Veits und seiner Familie. Der Bewegliche sind Sie, der relativ Bewegliche. "Ich kann nicht weg" sagen Sie, und selbstverständlich können Sie nicht weg. Ganz weg. Aber Sie können ein paar hundert Meter weg. Ich bin sicher, das würde ein Heilmittel sein. Vorne am Weg, wo das große Feld ist, sollten Sie sich ein Atelier bauen, ein Wohn-Schlaf-Zimmer mit einer kleinen Küche. ... Denken Sie an den alten Hamsun, der hat es so gemacht, sonst hätte er nicht mehr leben können. Nehmen Sie viel Holz für den Bau. Von wo sie nicht wegkönnen, das ist doch nicht das Haus sondern der Platz, die Landschaft; die Dinge wie sie sind, treiben auf irgendeine Weise zu einer Katastrophe hin - das sollte jemand wie Sie nicht zulassen. Gerade weil diese, ich möchte sagen raffinierte Verletzbarkeit Ihres künstlerischen Wesens bestimmende Eigenschaft ist, so dass Sie also vom Rheinland aus (!) einerseits diesen wahrhaft königlichen Lebenssitz gefunden haben, wo Ihnen von außen her nichts auf die Pelle rücken konnte, was Ihnen nicht genehm war; wo Sie zudem, in eine unerhörte Landschaft eingegossen als Objekte Ihrer Darstellung die Windischen fanden, perfekte menschliche Chiffren für das schutzlose Ausgeliefert-Sein an dunkle Mächte (obwohl, in Wahrheit, sie alle miteinander im subjektiven Befund nicht halb so verletzbar sind wie Sie - aber das sind eben die großen schöpferischen Tricks künstlerischer Umsetzung!) ... gerade weil nichts von dem stimmt, was Sie auf den ersten Blick zu vermitteln scheinen - dürfen Sie es nicht dabei belassen, dass Sie verheddert bleiben in eine Situation, an der niemand schuld ist. Schon die Geste allein, von der Praxis des Alltags ganz abgesehen, würde etwas Befreiendes haben. Das "Austragshäusel" umfunktioniert zum Werkraum, zum Raum des Werkes und des Werkens - wäre das nichts? Ja, machen Sie rasch." 

1973

Kristian Sotriffer veröffentlicht den Werkkatalog der Holzschnitte. Ein umfangreicher Katalog zur Bleiburger Galerie erscheint, eingeleitet von Trude Polley. Werner Berg erhält den Kulturpreis des Landes Kärnten.

Erich Kuby schreibt: "Ich sah in welcher Weise sie die "Einbettung" in den engsten Kreis nötig haben, was immer sich daraus an Konflikten ergibt, und konnte daran ermessen, dass Ihnen, wie Sie schrieben, wirklich nicht zu helfen ist, und dass meine Idee, eine lokale Distanzierung auch nur geringfügiger Art könnte Ihnen die Situation erleichtern, am Sachverhalt gänzlich vorbeigeht. Was da an Erleichterung zu bekommen wäre, geriete andererseits zur Unerträglichkeit. Es ist eben der Mensch ein seltsames Wesen."

Und über ein neues Bild des Rutarhofes in einer diesigen Winternacht schreibt Kuby: "Das Bild ist wunderbar. Es vergegenständlicht mir den Begriff "Rutarhof", dessen geographisch-physische Existenz nur ein Bestandteil seiner Bedeutung ist, und zwar genau in der Weise, wie das identifizierbar Dargestellte auf dem Bild völlig zurücktritt hinter dem, was ich geistige Realität "Rutarhof" nennen würde, und hinter das Kunstwerk. Mein Eindruck war, dass Sie darauf den Hof, das, was Sie de fakto in die Natur gestellt haben als eine Reproduktion Ihrer sozialen Existenz ohne Rest überwunden haben wie auf keiner anderen früheren Rutarhof-Darstellung. Die Idee stellt sich völlig rein dar, die Idee dieser sozialen Existenz. Für den leidlich Informierten, als den ich mich ansehen darf in Ihren Dingen, ist die konfliktlose Schönheit des Bildes, das Traumhafte daran, nicht ohne die betrübte Teilnahme an dem Maler zu bewundern, weil darin die Sehnsucht nach einer heilen Welt ohne Hemmung ausgedrückt ist. Warum Traum und Wirklichkeit auseinander klaffen, hat ohne Zweifel mit Ihrem absoluten Anspruch zu tun, die heile Welt nicht zu finden sondern zu schaffen - also den Rutarhof, die Familie, die Umwelt als Innenwelt begriffen. Sodass Sie Sich selbst wie niemand, den ich sonst kenne, unentwegt begegnen, in Gestalt des Baumes mit dem Tisch, der Blumen hinterm Zaun, der Dachlinie gegen den Himmel, dem Pacher, dem Veit, der Klara, ja selbst im Kuchling, der schließlich auch so etwas wie eine Erfindung von Ihnen ist. So was könnte nur gut gehen, wenn der Schöpfer dieser Außen-als-Innen-Welt von harmloser Gemütsart wäre, dann aber von sehr harmloser. Just das Gegenteil - da ist es dann so wie es ist."


Die Aufstellung zweisprachiger Ortstafel im gemischtsprachigen Gebiet Kärntens löst einen Sturm nationalistischer Entrüstung aus, in dessen Folge Landeshauptmann Sima abgelöst wird. Werner Berg stellt sich prononciert auf die Seite der slowenischen Minderheit.

1974

"Ich werde öffentlich ein Zeichen setzen wider den schleichenden umso unheimlicheren Terror, den ich zur Genüge kennengelernt habe", schreibt Werner Berg an Gottfried Stöckl, mit dem es angesichts unterschiedlicher Meinungen in der Ortstafelfrage zum Bruch kommt.

Eine von Heimo Kuchling herausgegebene Festschrift zum 70. Geburtstag erscheint.

Sonderausstellung in Bleiburg im sogenannten Pfarrsaal.
Der ORF dreht den Film "Der Maler Werner Berg"

1975

"Ich werde öffentlich ein Zeichen setzen wider den schleichenden umso unheimlicheren Terror, den ich zur Genüge kennengelernt habe", schreibt Werner Berg an Gottfried Stöckl, mit dem es angesichts unterschiedlicher Meinungen in der Ortstafelfrage zum Bruch kommt.

Eine von Heimo Kuchling herausgegebene Festschrift zum 70. Geburtstag erscheint.

Sonderausstellung in Bleiburg im sogenannten Pfarrsaal.
Der ORF dreht den Film "Der Maler Werner Berg"

1976

Von der Reise zurückgekehrt schreibt Werner Berg Anfang Jänner: "Nun erst komme ich zu Besinnung und hoffentlich bald und gründlich zur Arbeit. Zu der muss ich in einer Weise und Intensität innen Grund fassen, wie es kaum begreiflich zu machen ist."

Wieland Schmied plant die Veröffentlichung eines Buches über Werner Berg im Verlag Galerie Welz in Salzburg. Er redet Werner Berg auch sehr zu, wieder auszustellen: "Was Ihre Unwilligkeit betrifft, auszustellen, so verstehe ich Sie menschlich nur zu gut. Sie sind die große bewundernswerte Ausnahme unter den bedeutenden Malern, die ich kenne. Dennoch, möchte ich sagen, bedauere ich diese Einstellung, so sehr ich sie verstehe und respektiere. Frei sein von Ehrgeiz ist eine Stufe der Weisheit, die nur wenige zu erreichen vermögen. Nochmals muss ich ein dennoch hinzufügen. Es gibt, so meine ich, auch eine Verpflichtung dem Werk gegenüber. Es sollte den Zeitgenossen die Gelegenheit gegeben werden - wie sparsam, wie überlegt, wie ausgesucht immer - es zu sehen. Ich will nicht einer hektischen Ausstellungsaktivität das Wort reden. Aber auch das andere Extrem, die vollständige Verweigerung, scheint mir nicht ganz einem letztlich doch auf Kommunikation, auf Mitteilung, auf Bekenntnis zielenden Werk adäquat. ... Thomas Bernhard sprach einmal von "Veröffentlichungsqual". Jedes Buch bringt "Veröffentlichungsqual" mit sich - bis hin zu hämisch-gehässigen Kritiken. Diese Qual ist letztlich als untrennbar mit dem schöpferischen Prozess verbunden zu begreifen und - anzunehmen."

Im November schreibt Werner Berg von seiner jährlichen Kur aus Badgastein: "An sich wäre die Kurerei ein Luxus, den ich mir gar nicht leisten könnte, aber ich tue das sehr bewusst zur Aufrechterhaltung und Erneuerung meiner Kräfte, die ich noch zu einigem ansetzen möchte. Man gerät dabei in einen seltenen Zustand der Leere und Schwerelosigkeit, der fast eine Vorbedingung für die Anspannung und das Erfülltwerden dann ist."

1977

"Die Galerie hatte noch eine gute Saison, von mancherlei Plänen, die an mich herangetragen wurden, habe ich Abstand genommen. Alles würde Zeit kosten und die Kraft mindern, die ich für die Arbeit brauche", schreibt Werner Berg an Maria Schuler. 

1978

"Noch ist bei allem Bildschwund und Maßzerfall das tiefere Geheimnis nicht ganz umzubringen. ... Ich hoffe in wenigen Tagen wieder die Pinsel zu halten. Freilich werde ich aus meiner Bilderwelt nie herauskommen und darf es nicht, - mir selbst erscheint sie nie eng oder verbraucht", schreibt Werner Berg im Mai an Fritz Ogris von seiner Kur in Überlingen am Bodensee. "Mit der Fastenkur hier klappt es wieder großartig, es ist halt für mich die Kraft-Quelle und der Ort der Erneuerung. An den kurfreien Tagen aber mache ich kleine Kunstreisen, meist in die benachbarte Schweiz, und das sind für mich oft große Ereignisse. Ich war schon in Zürich und in Basel, wo ich herrliche Dinge gesehen habe, aber auch Abstrusitäten. Von jeher habe ich es für notwendig gehalten, mich immer wieder unmittelbar dem Maß der großen Gestaltungen zu stellen, - aber auch dem Schock, dem Affront der Kunst-Terroristen nicht auszuweichen."

Rainer Zimmermann, der an der Herausgabe eines Buches zur "Kunst der verschollenen Generation" arbeitet, besucht Werner Berg auf dem Rutarhof. Er schreibt danach: "Ich weiß, dass hier in der Distanz zum Kunstbetrieb unseres Jahrhunderts - aber mit sehr feinem Sensorium für die eigentlichen Bedürfnisse unserer Epoche - ein Werk hingestellt wurde, an dem keiner vorbeikommt, der die Malerei unserer Zeit beurteilen will. Ihr großes Thema "Unterkärnten" hat dabei eine stellvertretende Bedeutung (die dokumentarische Seite Ihrer Bilder ist ein dankbar anzunehmender Zusatzwert); hier geht es, wie eben bei jedem Kunstwerk, das seinem Anspruch gerecht wird, um nichts Geringeres als das Mysterium unseres Daseins; und eine jede neue Anschauung des Raumes und der Dinge im Raum und des Lichtes auf den Dingen im Raum ist ja nichts Anderes als ein anschaulich gewordenes Staunen darüber, dass das alles ist und wirklich ist und wirklicher ist als alles Denken und Hoffen."

Zu Weihnachten schreibt Werner Berg an Fritz Ogris: "Diesmal hat mich meine weihnachtliche Flucht nach Berlin geführt, wo ich seit Nolde Zeiten, d.h. 45 Jahren nicht war. Eine ganz andere Welt ist nun dort, zerrissen und zerreißend."

1979

"Ich kann und kann es nicht begreifen, gerade in diesen Tagen bei gleich gleißendem Licht sind wir vor 48 Jahren endgültig hier eingezogen, und was ist aus allem Wagen und Vollbringen geworden, aus der Unbedingtheit unserer Gesinnung! Die hoffe ich in meiner Arbeit bis zuletzt hochzuhalten, - keine Angst: ich gebe nicht auf", schreibt Werner Berg an Fritz Ogris. "LA MORTE SI SCONTA VIVENDO" dieses Zitat Giuseppe Ungarettis notiert Werner Berg über die Türe seines Zimmers. 

Große Sonderausstellung zum 75. Geburtstag in Bleiburg. Wolfgang Lessowsky dreht einen umfassenden Dokumentarfilm über Werner Berg unter dem Titel "Das Ungeheure begreift nie der Sichre".
Im Dezember schreibt Werner Berg an Friedrich Pettauer: "Das mein Werk durch ein Schattental muss, weiß ich, glaube aber daran, dass es später erkannt werden wird. Leider sind kaum die Prämissen dazu da, es sei denn in wenigen Ausnahmemenschen, die zu sehen vermögen."

"In welchem Maße die Grundlagen meiner Existenz erschüttert wurden, lässt sich nicht beschreiben. Die unvorstellbar niedrigen Demütigungen habe ich zu ertragen, habe ich zu verdauen als ein tägliches Brot: die Abeisung von jeglicher Menschenwärme und die Abwürgung alles geistigen Mitteilens. Ich bemitleide mich nicht, immer bedenkend, welche Hekatomben von Leid und Qual in unserer Zeit über die Menschen kommen. Es bleibt aber alles Lebendige einmalig, und in meinem Falle betrauere ich weit über das Subjektive hinaus ein Objektives: die Schändung eines großen Lebenskonzeptes, das, kühn gegründet, in vielen harten Jahren fruchtbringend durchgestanden wurde. Es wäre nie möglich gewesen ohne die opfervoll beharrende Kraft einer einzigartigen Frau, aber auch nicht ohne die unentwegt mitwirkende Bereitschaft aller Kinder, zulängst und zuletzt Annettes. Ich darf aber keines hintanstellen."

"Ich will keinen Augenblick meine Unzulänglichkeit und mein Fehlen hinwegreden, aber immer hat mich mit Unbedingheit das Streben durchdrungen, mit allen Sinnen die Welt, die meinige, zu ergreifen und ihre geistige Verwandlung zur Gestalt zu vollbringen. Das Ergebnis sei so oder so: ultra posse nemo tenetur. Bei und trotz allem ahnt niemand, von welch reicher Gemeinsamkeit einst dieses Rutarhof-Leben war. Dieses "trotz" aber beziehe sich auf ein unabdingbar Leidliches, das nahezu schon Gemeinplatz ist: den Egoismus des Künstlers, der in Wahrheit sich selbst verzehrt. Nie bin ich mit Angst in einen Winter gegangen wie diesmal, vielleicht reißt mich die Arbeit dennoch wieder heraus und über den Gram empor. Bevor es soweit ist, stehe ich im Grunde immer in dunkler Bangnis. Jedes Hervorbringen bleibt rätselhaften Ursprungs, und rückwärtsblickend staune ich dankbar, was entstehen durfte. Mein letzter Wunsch ist ohne Hass und Hadern von dieser Welt zu scheiden. Noch aber möchte ich, sooft es mir schon unmöglich schien, nicht aufgeben und habe, lächelnd mich erinnernd, das einstige Kommando vom Barras im Ohr: "Weitermachen!" "

"Je mehr ich mich übrigens mit den Besonderheiten unseres "Mitteleuropa" in seinen Kleinstrukturen beschäftige (ich meine damit die durch Menschenhand gegliederte Landschaft und die mit ihr verbundene Bauweise), desto mehr sehe ich die Bedeutung Ihrer Arbeit als eine auch in die Zukunft wirkende: Sie schildern etwas, das leider immer mehr verschwindet, und dazu gehören auch die Physiognomien der Menschen, die im selben Maß verflachen, wie deren nivellierte Umwelt", schreibt Kristian Sotriffer, der die Herausgabe einer repräsentativen Werner Berg Monographie für 1980 vorbereitet. Texte von Erich Kuby und Wieland Schmied sollen in diesem Buch die Abbildungen vor allem von Gemälden begleiten. Letztlich erteilt Berg auch diesem Plan eine Absage.

1980

"In diesen Monaten habe ich viel gearbeitet und nur solcherart die gnadenlose Vereisung überwunden." schreibt Berg im April an Maria Schuler.

Erich Kuby schreibt: "Vor ein paar Wochen traf ich in München die "Schullerin", die mir erzählte, dass sie bei Ihnen gewesen ist. Ich fragte aus ihr heraus, dass Sie so ziemlich isoliert in Ihrem Malergehäuse leben, vom Hof abgetrennt, und seinen Bewohnern - bis hin zum Bereiten eigener Mahlzeiten auf einem Kocher. Diese scheußliche Vorstellung geht mir seither nach. Mir ist ganz unvorstellbar, wie ein solcher Zustand währen kann, und natürlich messe ich ihn an den Jahren, als der Hof ein Ganzes war, Last und Tragendes zugleich. ...Nein, mir ist ganz flau wenn ich an Ihr Leben in einem Reich denke, das Sie geschaffen haben, und wenn Sie Ihre Arbeit nicht hätten, diese Arbeit - nun, dann wäre ja auch alles nicht so und Sie hätten sich davon machen können. ... Obwohl keinerlei direkte Parallen vorliegen und Sie ja auf diese Weise nicht alt sind wie der alte Hamsun alt war - mir fällt der Mikrokosmos um diesen Mann neuerdings ein, wenn ich an den Mikrokosmos Rutarhof denke, in einem wie im anderen Falle entsteht aus menschlicher Leidenschaft, Kraft, Nicht-anders-Können im positiven wie im negativen, ein Zustand, in dem das Mit- und Gegeneinander der Nächstbeteiligten eine Dimension bekommt, in der die Umstände, sozusagen das Szenische, tatsächlich etwas von Theaterszene bekommt, auf der die Figuren und Ihre Beziehungen untereinander eine beklemmende Größe erreichen."

1981

Werner Berg erhält das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst. Am 7. September wird Werner Berg tot in seinem Atelier am Rutarhof aufgefunden.