Horzach - 1954

Horzach

„In Unterkärnten hocken auf dem Boden eines abgeflossenen Binnenmeers die Dörfer der Slowenen“, schreibt der Künstler Kurt Moldovan und fährt fort: „Der Rheinländer Werner Berg entdeckte auf seiner Reise diese Provinz Österreichs und damit sein Modell. Vor dem blutenden Kruzifix flüchtet ein fetter, schuldbewußter Rosshändler in das Dickicht der gelben mondgroßen Papierrosen, mit denen die Windischen ihre winzigen Kirchen schmücken. Zwei schwarze Weiblein hocken am Friedhof, bis sie von Blumen zugewachsen werden. Im glasblauen Winterhof liegt der abgetrennte Saukopf am Schlachtstock wie ein Opfer, und Bäuerinnen graben mit spitzen Nasen ihre hartnäckigen Gebete in den Betschemel. Der Mädchentratsch und das Witwengekeife, der greinende Bettler und der über das Blatt riesig ausgedehnte taube Alte werden in Holz geschnitten. Der Mächtige, der Diabolische, der Weise, der Hintersinnige, der Arme und der Reiche – Archetypen, die die ober- und unterirdische Hierarchie des Dorfes (und jeder Menschengemeinschaft) bilden – treten in Bergs Bildern auf. Außerordentlich sind die unzähligen Holzschnitte, die Werner Berg geschaffen hat. Keiner der Modernen ist je dem bäuerlichen Leben, das so sicher und pathoslos ist wie die Vegetation, näher gekommen.“

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