Kirchgeherin - 1961 (63x89cm)

Kirchgeherin

„Hier habe ich mit Absicht den bäuerlichen Menschen in der Verwandlung, in der Gestaltung gezeigt – eigentlich das Thema meiner Malerei, wie sich die Wirklichkeit ins Bildhafte verwandelt und in einer neuen eben künstlerischen Gestalt auftaucht“, erläuterte Werner Berg.

 

„Man spürt noch den frischen Eindruck, den der Maler empfangen hat, früh an einem Feiertag, und in seiner Skizze festgehalten hat: die Frau auf dem Kirchweg mit dem hellen Fleck der Morgensonne im Gesicht. Nun steht, in der endgültigen Gestaltung, nur der Kopf groß gegen den Himmel, in den sonst noch, aus Gewächs und Gestein, die eine Fichte des Mittelgrundes hineinreicht und der Berggipfel im Hintergrund. Auf dem Bild oszilliert ineinander: das Noch dieser Kopftuchbäuerin und das Immer menschlichen Urgesteins, und das gelingt durch Überführung eines individuell-typischen Ausdrucks („ein unheimlich slowenisches Gesicht!“) in einfachste Form: Oval, Bögen, Gerade, Dreiecke. Expression als Geometrie. – Die Reduktion aufs Topographische eines Gesichts könnte auch alle Individualität löschen, nur noch das Kategoriale, das Schema der Erkennbarkeit übriglassen. Dabei wäre allerdings auch Ausdruck von Besonderheit getilgt. Gerade indem dieses Gesicht nur aufs Typische einer individuellen Gruppe konfiguriert wird, kann es die Härte, Wachsamkeit und gewächshafte Zähigkeit des Naturwesens Mensch repräsentieren. Der scharfwinklige Sonnenfleck gibt dem Gesicht Morgenkühle, Härte des Anfangs und Wiederanfangs. Wenn überhaupt Menschliches der Atombombe standhält – der Gedanke kommt dem betroffenen Betrachter –, dann ist es die Kraft, die ihn aus diesem Gesicht ansieht“, schreibt Grete Lübbe.

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