Ernst Barlach – Käthe Kollwitz "Über die Grenzen der Existenz" | Werner Berg "Abschied"

Ausstellungsdauer: 04. Mai bis 28. Oktober 2018

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Ausstellungseröffnung:
Samstag, 04. Mai 2019, 19 Uhr

Dem Maler Werner Berg (1904-1981) widmet die Stadt Bleiburg seit 1968 ein monografisches Museum. Das repräsentative Haus am Bleiburger Hauptplatz ist seither zu einem Anziehungspunkt für Kunstliebhaber aus der ganzen Welt geworden. Es zeigt das Œuvre des Künstlers, dessen künstlerischer Ausgangspunkt der deutsche Expressionismus war, in einzigartiger Wechselwirkung von Kunst und Umwelt im Kerngebiet seines Ursprungs.

Werner Berg, 1904 in Elberfeld (Wuppertal) geboren, zog 1931, nach einem abgeschlossenen Studium der Staatswissenschaften und Besuch der Akademien in Wien und München auf einen entlegenen Bergbauernhof im Südosten Kärntens,auf dem er bis zu seinem Tode 1981 als Bauer und Maler arbeitete. Zentrales Thema seines Werkes sind Landschaft und Menschen seiner Wahlheimat Unterkärnten - beobachtet mit der Distanz des Fremden und der Intensität des Liebenden. Dem Land Kärnten ist mit seinem Werk ein einzigartiges Dokument entstanden. Von hoher künstlerischer Qualität gibt es zugleich Zeugnis vom Leben in einer vorindustriellen Kultur, der sich der Künstler fortwährend aussetzte und die heute Vergangenheit ist.

Bei den jährlich wechselnden Ausstellungen wird stets versucht einen thematischen Dialog zwischen dem Werk Werner Bergs und der jeweiligen Sonderausstellung zu finden.

Die Kunst Werner Bergs wird so auch für den wiederholten Besucher unter ständig neuen Gesichtspunkten erlebbar. So zeigt sich, wie dessen Werk auch unter verschiedenen Fragestellungen unserer Zeit ständige Aktualität bewahrt.

Das Werner Berg Museum Bleiburg/Pliberk zeigt vom 04. Mai bis 27. Oktober2019zeitgleich folgende Ausstellungen:


Ernst Barlach – Käthe Kollwitz
Über die Grenzen der Existenz

Die in Kooperation mit der Ernst Barlach Gesellschaft Hamburg entstandene Ausstellung "Ernst Barlach - Käthe Kollwitz - Über die Grenzen der Existenz" stellt eine der bisher umfangreichsten Retrospektiven dieser beiden weltbekannten Künstler in Österreich dar.

Schon früh konzipierten Ernst Barlach (1870-1938) und Käthe Kollwitz (1867-1945) ihre künstlerische Arbeit im Widerspruch zu einer als kalt empfundenen, vom Materialismus geprägten Wirklichkeit.

Käthe Kollwitz stellte ihre Kunst in den Dienst gesellschaftlicher Verantwortung und hat eine Fülle von sozialrevolutionären Werken geschaffen. Ihre Aufmerksamkeit gilt jenen Menschen, die im Schatten des Fortschritts in ärmsten Verhältnissen leben und täglich um ihre Existenz ringen. In realistischer und appellativer Bildsprache klagt sie eine Wirklichkeit an, die solche Ungerechtigkeiten zulässt.

Während das Werk der Käthe Kollwitz von einer engagierten diesseitigen, auf die konkreten gesellschaftlichen Verhältnisse ausgerichteten Sichtweise und Zielperspektive konzentriert ist, lässt sich Ernst Barlach als Mystiker der Moderne beschreiben. Die Menschenbilder von Ernst Barlach tragen wenige individuelle Merkmale. Sie verkörpern Zustände des Seins und sind Ausdruck geistiger Orientierung für eine bessere Welt.

Mit über 150 Exponaten bietet die Ausstellung nicht nur einen retrospektiven Einblick in das Gesamtwerk beider Künstler im historischen Kontext, sondern sie spiegelt auch deren Weltanschauungen in die Gegenwart. Über die Grenzen der Existenz wollten Barlach wie Kollwitz in ihren Werken hinausgehen. Sah Barlach eine Überwindung der Grenzen eher im Spirituellen, in der geistigen Kompetenz des Menschen, so ist die künstlerische Arbeit der Kollwitz dem sozialen Engagement verpflichtet. Die aktuellen Debatten um soziale Verantwortung, Armut und Reichtum, Empathie und Engagement für den Frieden sind darin aufgehoben, ebenso wie die Sinnsuche des Menschen in der globalen von Krisen geschüttelten Gegenwart. Bis heute sind ihre Werke aufrüttelnd und tröstend zugleich.

Von den Nationalsozialisten als »antideutsch« und »entartet« verunglimpft steht die Konstellation Barlach – Kollwitz heute im internationalen Kontext vor allem auch für den künstlerischen und moralischen Widerstand gegen Gewaltherrschaft, Terror und Krieg.

Dem Bildhauer, Zeichner und Schriftsteller Ernst Barlach war der einfache, unverbildete Mensch Symbol der Existenz schlechthin. Die menschliche Figur ist seine „künstlerische Muttersprache“.   Er will über die Erschütterungen seiner Zeit hinauskommen, seine Menschenbilder drücken jenseits der realen Welt immer wiederkehrende Gefühle und Seinszustände aus, so, als wären sie ein Teil der Ewigkeit und gehörten in keinen spezifisch kulturellen Kontext.
Anders Käthe Kollwitz. „Nie habe ich eine Arbeit kalt gemacht, sondern immer gewissermaßen mit meinem Blut. Das müssen die, die sie sehen, spüren.“  Die Berliner Grafikerin und Bildhauerin sah ihre künstlerische Arbeit eng mit dem konkreten politischen Kampf gegen Armut und für soziale Gerechtigkeit verbunden. 

Als Intervention in den öffentlichen Raum konfrontieren großflächige Fassadengestaltungen im Stadtzentrummit den aufrüttelnden Arbeiten der Käthe Kollwitz und Ernst Barlach.

WERNER BERG – Abschied
Das Spätwerk 1969-1981

 Im Werk Werner Berg lassen sich vielfach Spuren der Auseinandersetzung mit dem Schaffen von Ernst Barlach und Käthe Kollwitz finden, mit welchen er wohl eine humane Grundhaltung teilte. Exemplarisch dafür zeigt das Museum im Dachgeschoss einebeeindruckende Auswahl von Ölbildern aus Werner Bergs letztem Schaffensabschnitt. Gedämpfte Farben und ein fragender Blick prägen deren Charakter.  Ihren gereiften Ausdruck betrachtete etwa der Sammler Rudolf Leopold als einen Höhepunkt des Werkes.
Die nach Krankheit und Tod von Werner Bergs Frau entstandenen, zum Teil hier erstmals gezeigten Bilder sind eindringliche Zeichen der zunehmenden existentiellen Vereinsamung des Künstlers. Gemeinsam mit seiner Frau hatte er einst ein ursprüngliches Leben als Bauer gewählt und unentwegt hatte er seine Wahlheimat dargestellt. Nicht zuletzt auch durch zunehmende Technisierung und Industrialisierung aller Lebensbereiche schien diese ihm nun immer fremder zu werden, zu entschwinden.

Öffnungszeiten:                                                     
04. Mai – 27. Oktober 2019
                                    
Di-So: 10-18 Uhr

Audioguides (dt, slo, engl, ital) kostenlos

 Führungen für Gruppen auf Anfrage
Während der Ausstellung findet jeden Sonntag um 11:00 Uhr eine GRATIS FÜHRUNG statt

‚Ernst Barlach – Käthe Kollwitz: Über die Grenzen der Existenz’ ist eine Ausstellung der Ernst Barlach Gesellschaft Hamburg in Kooperation mit dem Werner Berg Museum Bleiburg.

Wir danken dem ifa, Institut für Auslandsbeziehungen Stuttgart, der Ernst Barlach Lizenzverwaltung Ratzeburg, dem Ernst Barlach Museum Wedel, dem Ernst Barlach Museum Ratzeburg und allen privaten Leihgebern für die Bereitstellung der Kunstwerke.

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Alle Fotos: © Werner Berg Museum Bleiburg/Pliberk