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 Skulpturengarten
des Museums

Skulpturengarten des 
Museums

Der Skulpturengarten des Museums zeigt „Sprachbilder“ von Werner Hofmeister.

Dieser setzt sich seit Jahren mit dem Wechselverhältnis von Bild und Text auseinander. Buchstaben, Laute, Ausrufe, Symbole werden zum Bild umgebaut, als Stempel, als Wortzeile oder als Wortwagen, in Eisen. In seiner eigens für das Museum geschaffenen neuen Installation „Zweisprachig“ akzentuieren seine elementaren Piktogramme das Kopftuch von Werner Bergs Holzschnitt „Mädchenkopf“.

Christine Wetzlinger-Grundnig
Werner + Werner
Zur Installation von Werner Hofmeister im Werner Berg Museum in Bleiburg

Wenn Werner Hofmeister auf Werner Berg trifft, finden sich zwei Positionen, die mehr gemeinsam haben, als man im ersten Moment vermuten würde, wenn man sich den Konzeptkünstler aus dem Görtschitztal  im Gegenüber mit dem Südkärntner Maler vorstellt. Werner Hofmeisters künstlerische Arbeit beruht im Hauptteil auf einer akribischen und umfassenden Analyse eines zeitgenössischen Bilder- und Zeichen-Reservoirs, insbesondere des Buchstabens „Q“, basierend auf der Untersuchung des Warenkataloges des Quelle-Versand-Kaufhauses, die der Künstler, durch die Erweiterung seines Arbeitsfeldes in schier alle Richtungen, mit allen Mitteln und durch mannigfaltige immer neue Synthesen, zur sogenannten „Quellenkultur“ entwickelt hat, die es ihm heute ermöglicht, ausgedehnte Exkurse in alle Lebens- und Kunstbereiche zu unternehmen und zugleich – durch die inhaltlichen und formalen Rückbeziehung der jeweiligen Arbeiten zu ihrer immergleichen Herkunftsquelle – ein komplexes, äußerst konsistentes Werk zu gestalten, das über das Partikuläre hinaus allgemeine Gültigkeit annehmen kann, und das, nebenbei  bemerkt, nicht nur auf einer genauen Beobachtungsgabe und einer gründlichen Denkarbeit beruht, sondern,  gleichwohl,  mit großem Einfühlungsvermögen, feiner Ironie und hintergründigem Witz agiert. Schon in diesem Resümee zeigen sich vielfältige Parallelen zum älteren Künstlerkollegen der Zwischenkriegszeit. Auch er ist ein stetiger und empathischer Beobachter seiner Welt, mit intellektuellem Vermögen und Humor. Beide Künstler leben in ländlicher Abgeschiedenheit und nutzen  ihre unmittelbare Umgebung als Inspirationsquelle für ihr Werk – jeder nach seinen Möglichkeiten. Werner Berg handelt aus eigener, direkter Anschauung und Erfahrung heraus, Werner Hofmeister kann sich auch medialer Mittel  bedienen. Für Werner Berg sind die Unterkärntner Landschaft sowie die Menschen, die diese besiedeln, die Hauptmotive für sein malerisches und grafisches Schaffen. Es ist diese spezifische rurale Situation – das bäuerliche Leben, die Kulturlandschaft und ihre Bevölkerung, in ihrem bescheidenen, naturnahen Dasein,  in immer wiederkehrenden Situationen, in alltäglichen Tätigkeiten und rituellen Handlungen und Festtagen, die dem Ablauf des Kalenderjahres geschuldet sind –, die Werner Berg fasziniert und die er in einer charaktervollen und unverwechselbaren, ausdrucksstarken Handschrift festhält. Werner Hofmeister wendet sich in einer höchst zeitgemäßen Form, in einem ebenso analytischen Ansatz jedoch in einer medienüberschreitenden Praxis gesellschafts- und umweltrelevanter Thematiken zu. Beide nutzen in ihrer Arbeit eine einfache, reduzierte, klare aber prägnante Sprache, um das Typische hervorzukehren. Beide entwickeln bestechende formal-ästhetische Bilder, die das Wesentliche transportiert. Im Mittelpunkt steht der Mensch in seiner reinen Existenz, die der Künstler, obzwar er diese seismografisch ergründet, ironisch beschreibt und dokumentarisch festhält, auch – und vor allem – als seine eigene begreift. Diese Erkenntnis setzt voraus, sich selbst im anderen zu erkennen. Genauso, wie Werner Hofmeister es in seiner neuesten Arbeit beschreibt, die er für das Werner Berg Museum in Bleiburg ersonnen hat.

Werner Hofmeister entwickelt eine Installation mit dem Titel „Zweisprachig“, in der er auf mehreren Ebenen mit dem Ort, der Region, und ihren Besonderheiten interagiert. Er bemächtigt sich einer bekannten Darstellung von Werner Berg, benannt als „Mädchenkopf“, leicht gedreht im Halbprofil erscheinend, den er drucktechnisch vervielfacht und in einer isokephalenReihe (an der Glaswand des Ausstellungsraumes) nebeneinanderstellt, sodass ein Kopf dem andere folgt und in Blickrichtung quasi zu einem Bilderpaar leitet, indem sich zwei Köpfe plötzlich von Angesicht zu Angesicht begegnen. Die Häupter sind jeweils mit einem Kopftuch umwunden, das unter dem Kinn gebunden ist, wie man es traditionell im ländlichen Raum, etwa bei der Arbeit am Felde oder im Stall, um die Haare zusammen zu halten und als praktischen Schutz vor der Witterung und vor Verschmutzung, häufig benutzt hat – mitunter heute noch nützt; oder auch, aus modischen sowie kulturellen Gründen angelegt hat, zum Beispiel als Teil einer Tracht oder in Zusammenhang mit der Religionsausübung,  insbesondere für den Kirchgang, zur Bedeckung der weiblichen Haarpracht und als Zeichen der Demut – unter Berufung auf die Bibel, in der der Apostel Paulus im 1. Brief an die Korinther, 11,5, spricht: „Eine Frau aber entehrt ihr Haupt, wenn sie betet oder prophetisch redet und dabei ihr Haupt nicht verhüllt.“ Das Kopftuch ist ein Utensil mit langer Historie und von großer Bedeutung und kommt in nahezu allen Kulturen und Religionen vor. Heute wird es zuallererst als identitätsstiftendes  Element gewertet,  das die Trägerin als Angehörige einer kulturellen oder religiösen Gemeinschaft ausweisen und das auch eine politische oder weltanschauliche Überzeugung zum Ausdruck bringen kann.  Indem Werner Hofmeister ganz bewusst das nämliche Sujet verwendet, verbindet er sich nicht nur mit dem großen Lokalmatador, Werner Berg, dessen Bilderfindung er sich aneignet und dessen bevorzugte künstlerische Technik des Schwarzweiß-Holzschnittes er im Verfahren des Siebdruckes imitiert, sondern, über das soziologisches, symbolisches Motiv, das bereits der alte Meister befragt hat, greift Hofmeister ein ganzes Spektrum an Fragestellungen auf, die sich an dem an und für sich banalen Stück Stoff festmachen lassen, von kulturellen, religiösen, profanen und politischen, sozialen, psychologischen, philosophischen und letztlich auch kommerziellen Dimensionen.

In seiner gängigen Arbeitsweise und mit seinen üblichen Stilmitteln schreibt sich Werner Hofmeister in das Motiv von Werner Berg ein. Er nutzt seine originäre Zeichensprache, die er im Laufe der letzten Jahrzehnte entwickelt hat, in verfeinerter Weise, indem er seine grafischen Typen, seine semiotischen Zeichen – Buchstaben und individuellen Symbolbilder aus seinen „Stempelzeichnungen“– nicht bloß in vordergründig dekorativer Weise zu individuellen Stoffmustern der einzelnen Kopftücher adaptiert, sondern sie vielmehr zu Lautbildern und Worten verbindet und ihnen inhaltliche Bedeutung verleiht. Das Tuch mutiert vom Instrument der Verdeckung und Gleichmachung, des Identischen, zum Mittel der Differenzierung, zum Pluralistischen, und wird zum Träger der Botschaft. Indem der Künstler die Gesichter aus ihrer Vereinzelung hebt und sie als sich zuwendendes Paar ordnet, entsteht ein Gegenüber, das wie selbstverständlich ein Bezugssystem herstellt, das sich auch auf den hermeneutischen Gehalt erstreckt. So steht das deutsche „JA“ dem slowenischen „DA“ vis-à-vis und das „DU“ dem „TI“. Mehrheiten- und Minderheitensprache befinden sich gleichwertig nebeneinander und miteinander verbunden, gespiegelt in immer demselben Bild – zwei Sprachen und ein Motiv (ein Land, eine Kultur). So offenbart sich im Fremden das Eigene, als Form der Erkenntnis. Andererseits wird das Fremde nur in der Spiegelung des Eigenen wahrgenommen. Das Fremde kann aber auch zum Eigenen gemacht werden – als Möglichkeit der Bewältigung. Nur durch die Anerkennung des Anderen – im „JA“ zum „DU“ beziehungsweise „DA“ zum „TI“ –, kann Selbst-Bewusstsein entstehen. Wenn sich Eigenes und Fremdes verbindet, kommt es zu einer (interkulturellen) Begegnung. Die Betrachtenden sind selbst in neutraler Position und erfahren die Situation als gleichberechtigte Kommunikation.

Hofmeisters Werk – das auch auf die Auseinandersetzung mit dem Künstlerkollegen und dem Aufeinandertreffen zweier heterogener künstlerischer Sprachen anspielt und das im Museum und Heimatbezirk Werner Bergs angesiedelt ist –löst sich an dieser Stelle von der regionalen Relevanz und formuliert, wie so oft bei Werner Hofmeister, größere Zusammenhänge und eine allgemein gültige Aussage, die selbst über die Problematiken einer modernen multikulturellen Gesellschaft, von Migration und Integrationsproblematiken hinausweist und auf grundlegende psychologische und philosophische Gehalte deutet.

Johannes Rauchenberger/Eva Hofmeister
Sprachbilder von Werner Hofmeister

Was ist Schrift? Bloß ein Bedeutungsvehikel? Wann wird Schrift zum Bild und wann werden beide ident? Werner Hofmeister setzt sich seit Jahren mit dem Wechselverhältnis von Bild und Text auseinander. Buchstaben, Laute, Ausrufe, Symbole werden zum Bild umgebaut, als Stempel, als Wortzeile oder als Wortwagen, in Eisen geschnitten. Mit den vier Grundkoordinaten Religion, Sexualität, Geld und Gewalt baut Hofmeister archaische Sprachbilder, die in der Vermengung mit der Logokultur ganz neue Interferenzen und Symbiosen hervorrufen: Sie werden Sprachbilder, fühlbar in der Materialität.

Die Auseinandersetzung mit (Schrift-)Zeichen prägt das künstlerische Schaffen des Kärntner Künstlers Werner Hofmeister, der vor Jahren in Klein St. Paul ein „Museum für Quellenkultur“ gegründet hat. Buchstaben, Laute, das Wechselspiel zwischen Bild und Text oder auch die Sprache selbst sind in seinen Arbeiten von Beginn an allgegenwärtig. Zunächst als Dokumente von Werkprozessen präsent werden sie bald zu Bedeutungsträgern und dann zum Gegenstand der Befragung selbst.   Wortspiele, Redewendungen, Phrasen, Textfragmente die wie Werbeslogans anmuten und  Zitate werden eigesetzt um auf verschüttete Zusammenhänge hinzuweisen. Formell reduziert sich der Künstler immer mehr.  In den großen Arbeiten aus Eisen oder Beton sind es dann oft nicht die Objekte selbst, sondern Leerstellen oder Schattenrisse, die  die Bedeutung ausmachen, die Buchstaben, die Worte bilden. Als er  1993 mit der Arbeit zum Quellekomplex beginnt, wird er zum Einbuchstabenschreiber. Das Q wird zum Zentrum seiner Kunst - daraus entspringen zahlreiche Arbeiten im Graubereich zwischen Bild und Schrift. Eine eigene „Zeichen“-sprache oder auch  Bilderschrift entsteht. „Das Göttliche (Religion), das Geschlecht (Sexualität), das Geld (Kapitalismus) und die Gewalt (Krieg) sind die Grundlagen [ … ] und es sind dies, keineswegs zufällig, auch die bestimmenden Faktoren unserer Zeit. Als Bindeglied zwischen ihnen und als Katalysator, der die symbolische Bedeutung häufig erst sichtbar macht, wirkt dabei das Quellen- und Ursprungszeichen, Hofmeisters künstlerisches Alpha und Omega, seine Zauberformel Q.“[1]  Die  Zeichen selbst – es sind dies vom Künstler veränderte oder verrätselte Symbole – schöpfen aus den kalligraphischen Traditionen verschiedener Kulturen und Zeiten: Er erschafft so eine Bildsprache, die an eine mystische Vergangenheit gemahnt und diese mit der Gegenwart verbindet, stets im Zeichen des Q, der Frage nach der „Quelle“. 

[1] Klaus Amann, Werner Hofmeisters BildSchrift, in: Zeilen, Hofmeister 2010-2011, 2011, S. 86.

Öffnungszeiten
01. Mai – 31. Oktober 2021
Di-So: 10-18 h

www.qnstort.at

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