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Mikrokosmen
Helnwein Berg Giacometti

Mikrokosmen

Das wiederholte, geradezu soziologische „Durchleuchten“ einer jeweils sehr unterschiedlichen, stets aber begrenzten Welt mit ihren charakteristischen Menschentypen und Begebenheiten ist das gemeinsame „Thema“ dieser auf den ersten Blick so ungewöhnlichen Gegenüberstellung – die drei Künstler beschränken sich in ihrem Werk auf einen jeweils eigenen Mikrokosmos, dessen jeweils ganz besondere Eigenheit sie in unverwechselbarer Weise ausloten.

Aus der für einen Teilaspekt der USA so charakteristischen Welt rund um die Highschool der 1950 und 1960er Jahre und des „amerikanischen Wohnzimmers“ stammt eine Vielzahl der Motive von Mercedes Helnwein (*1979). Exemplarisch schildert sie Begegnungen von Menschengruppen in Bildern von Vorstadtstraßen, Schwesternzimmern der Krankenhäuser, von Abschlussbällen, Hallowenfeiern oder Hochzeiten – mit stetem Gespür für das Besondere. Der unheimliche Unterton in unscheinbaren alltäglichen Begebenheiten verleiht ihren Werken eine geheimnisvolle Tiefe.

Dem stehen einerseits die Schilderungen von Begegnungen auf Märkten, Kirchtagen, aus dem Gasthaus oder der Eisenbahn von Werner Berg (1904-1981) gegenüber. Seit seiner Ansiedlung auf dem Rutarhof war er bestrebt, die kleine Welt Unterkärntens mit ihren zwischenmenschlichen Begegnungen auszuloten und in seinen Bildern darzustellen. Verhaftet mit dem Leben der Landbewohner hielt er deren vielfältige Zusammenkünfte unmittelbar in seinem Skizzenbuch fest. Dabei gelang es ihm die Besonderheit des Augenblicks, der kleinen Begebenheiten in klar ausgeformten Kompositionen meist innerhalb weniger Sekunden festzuhalten, woraus gekeltert und verdichtet seine Bilder und Holzschnitte im Atelier entstanden. So wurden seine Schilderungen einer begrenzten, dem flüchtigen Betrachter wohl unscheinbar erscheinenden Region, für ihn zum allgemeinen Gleichnis der menschlichen Existenz.

„Paris sans fin“ von Alberto Giacometti (1901-1966) zeigt in 150 Lithografien die Orte und die Menschen, die dem Künstler in der Seine-Metropole wichtig waren. Hatte der Bildhauer, Zeichner und Maler sich in Paris jahrelang kaum außerhalb seines Ateliers und weniger Treffpunkte bewegt, änderte sich dies, als er 1958 die Prostituierte Caroline kennenlernte. Die Zwanzigjährige wurde ihm Geliebte und Modell. Im roten MG, den er ihr schenkte, zeichnete er, während sie ihn durch die Stadt fuhr. So zeigt die einzigartige Fülle der einzelnen Darstellungen Menschengruppen, Häuserzeilen, Brücken, Cafés und Automobile – und immer wieder das Atelier, die Modelle und die geliebte Frau in seinen charakteristischen, sich überkreuzend Strichen, in denen das Ungefähre sich zum Besonderen zusehends verdichtet.

Vereinzelt treffen in dieser Ausstellung exemplarische Werke der drei Künstler direkt aufeinander. Es ergeben sich fallweise Berührungen die so unter einem gemeinsamen Übertitel stehen. Dies gibt dem Museum die Gelegenheit, diesen so bestimmenden Aspekt des Werkes von Werner Berg, nämlich seiner lebenslangen Erforschung einer begrenzten „kleinen“ Welt, in einer Vielzahl noch nie gezeigter Werke nachzugehen. Wie in einer soziologischen Feldstudie werden durch die Konzentration auf eine jeweils unverwechselbare Welt in den Werken der drei so unterschiedlichen und im Fall von Mercedes Helnwein durch mehrere Generationen getrennten Künstler allgemein menschliche Gegebenheiten eindrucksvoll offenbar.

Ausstellungeröffnung
09. Mai 2026

Öffnungszeiten
10. Mai – 08. November 2026
Di-So: 10-18 h
Feiertags geöffnet
Führungen gegen Voranmeldung

Umfangreiche Audioguide-Informationen über QR-Code
Führungen (dt/slo/ital/engl) für Gruppen auf Anfrage.

Eintritt für Schulklassen gratis.

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