BRIEFE AUS KANADA
Die Freunde Walter Bauer und Werner Berg
Anlässlich des diesjährigen Walter-Bauer-Gedenkjahres lesen Jürgen Jankofsky (Sachsen-Anhalt) und Anna Mochar (Wien) aus dem Buch „Secondo Ottimismo“, das anhand Walter Bauers umfangreichen Briefwechsel Einblicke in ein spannendes Schriftstellerleben gibt. Der in Merseburg geborenen und im Jahre 1952 nach Kanada ausgewanderte Schriftsteller Walter Bauer (1904-1976) pflegte über Jahrzehnte eine enge Künstlerfreundschaft mit Werner Berg (1904-1981).
Werner Berg Museum Bleiburg/Pliberk
Mittwoch, 17. Juni 2026
Beginn: 19 Uhr
Eintritt: Gültige Eintrittskarte in das Werner Berg Museum
Werner Berg Museum Bleiburg/Pliberk; 10. Oktober Platz 4, 9150 Bleiburg
Kontakt: bleiburg.museum@ktn.gde.at; Tel: +43 4235 2110-27
SECONDO OTTIMISMO
Walter Bauer -Briefe 1928-1976
Mitteldeutscher Verlag, 2025
Im Nachgang von Walter Bauers (1904–1976) 120. Geburtstag und in Vorbereitung des Walter-Bauer-Jahrs 2026, das an seinen 50. Todestag gekoppelt ist, erscheinen in der ihm gewidmeten Reihe Briefe Bauers aus den Jahren 1928 bis 1976. Die Zeugnisse geben tiefen Einblick in Leben und Schreiben des Merseburgers, der 1952 nach Kanada ging, und begleiten die Bände mit den primären Texten, die diesem Band vorausgingen und in denen zum Teil sensationelle Entdeckungen gemacht und literarische Schätze aus dem Nachlass und aus lange schwer erreichbaren Quellen gehoben wurden. Der Leunaer Schriftsteller Jürgen Jankofsky, der die weltweiten Rechte des Dichters vertritt, fungiert auch für diese Auswahl an Briefen und Briefstellen als Herausgeber, Anna Mochar (Wien) bereichert die Kompilation mit einem Essay zum Briefwechsel Walter Bauers mit Werner Berg.
Walter-Bauer-Gedenkjahr
Walter Bauer (geboren 1904 in Merseburg, gestorben 1976 in Toronto) gilt als ein bedeutender deutschsprachiger Autor des 20. Jahrhunderts, doch geriet aufgrund widriger Zeitläufte nahezu in Vergessenheit. 1930 wurde er durch sein Buch „Stimme aus dem Leunawerk“, erschienen im renommierten Berliner Malik-Verlag, zum shooting star der deutschen Literatur. Tucholsky, Hesse, Werfel lobten in höchsten Tönen, Stefan Zweig wurde zum Freund. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Walter Bauer nicht in seine mitteldeutsche Heimat zurück, wurde in Westdeutschland einer der erfolgreichsten Hörspielautoren, wirkte als Schatzmeister des deutschen PEN und war Mitglied der Akademie der Deutsche Sprache und Dichtung. Enttäuscht nicht zuletzt von Restaurationsbestrebungen wanderte er jedoch 1952 nach Kanada aus, wo er allerdings weiter auf Deutsch schrieb, und so in seiner Wahlheimat kaum bekannt wurde. In der BRD wie in der DDR (wo er so gut wie nicht gedruckt wurde) fiel er zunehmend dem Vergessen anheim, obwohl sein Œuvre mehr als 90 Bücher umfasst, dazu zahlreiche Hörspiele, Essays, Artikel.
Erst mit der Wende setzten Bestrebungen ein, Walter Bauer wieder als den wichtigen Autor ins Gespräch zu bringen, der er war. So wurden in Merseburg wie Leuna Straßen nach ihm benannt, ebenso die Merseburger Stadtbibliothek (in der es nunmehr auch ein Walter-Bauer-Archiv gibt). Die Städte Merseburg und Leuna vergeben seit 1994 aller zwei Jahre den Walter-Bauer-Preis, die Infra Leuna seit 2020 ein Walter-Bauer-Stipendium. Die Leiste der Preisträger liest sich mittlerweile wie ein Who is Who (ost)deutscher Literatur: Wilhelm Bartsch, Daniela Danz, Peter Gosse, Kerstin Hensel, Wolfgang Hilbig, Wulf Kirsten, Thomas Kunst, André Schinkel, Eva Strittmatter… Im Mitteldeutschen Verlag erscheint seit 2016 eine Walter-Bauer-Reihe.
Um auf Walter Bauers Bedeutung für die deutsche Literatur und nicht zuletzt für seine mitteldeutsche Heimat intensiver und zielgerichteter hinzuweisen, wurde durch Walter Bauers Nachlassverwalter Jürgen Jankofsky ein Walter-Bauer-Gedächtnisjahr initiiert und organisiert, das nun zahlreichen Partnern getragen wird, allem von den Städten Merseburg und Leuna, dem Saalekreis und dem Land Sachsen-Anhalt.
Fast 50 Veranstaltungen finden nicht nur in Merseburg und Leuna, sondern auch in weiteren Städten Sachsen-Anhalts, so im Gleimhaus Halberstadt, in der Goitzsche-Galerie Bitterfeld oder bei der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft zu Köthen, sowie in Leipzig, Bayern und Nordrhein-Westfalen, Georgien, Kärnten und Wien statt. Das Walter-Bauer-Gedächtnisjahr wird einen wichtigen Beitrag zur literarischen Erbepflege des Landes Sachsen-Anhalt leisten, insbesondere bei der Aufarbeitung der hier bislang kaum aufgearbeiteten Literatur des 20. Jahrhunderts, und dient somit dem Image des Landes.
Als Schirmherr des Walter-Bauer-Gedächtnisjahres fungiert der Kulturminister Sachsen-Anhalts Rainer Robra.
Mehr über: www.juergenjankofsky.de/walter-bauer-news/
